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Rhein-Niedrigwasser: Wirtschaft und Ökosystem unter Druck

Rekordtief am Rhein belastet Schifffahrt, Energieversorgung und Industrie – mit spürbaren Folgen für Unternehmen und Verbraucher.

Zwischen 450 und 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen derzeit bei Karlsruhe durch den Rhein – noch vor zehn Tagen waren es knapp doppelt so viel. Die Landesanstalt Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) bestätigt: Derart niedrige Wasserstände zu dieser Jahreszeit sind in ihren Aufzeichnungen bislang einmalig.

Der Energiekonzern EnBW betreibt in Iffezheim bei Rastatt ein großes Rheinkraftwerk. Fünf Turbinen erzeugen dort Strom für mehr als 500.000 Haushalte. Doch wegen des Niedrigwassers läuft das Kraftwerk bereits seit Mai nicht mehr mit voller Kapazität – früher trat dieses Problem erst deutlich später im Jahr auf. Ein Wehr staut den Fluss auf rund zehn Meter Höhenunterschied auf, zwei Schleusenkammern ermöglichen die Schiffsdurchfahrt, eine Fischtreppe schützt die Flussbewohner.

Schifffahrt im Ausnahmezustand

Für die Binnenschifffahrt hat das Niedrigwasser gravierende Konsequenzen. Die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG) meldet, dass Frachtschiffe teils nur noch mit einem Drittel ihrer regulären Ladekapazität fahren können. Zu schwer beladene Schiffe riskieren, auf Grund zu laufen. DTG-Vorstand Roberto Spranzi erklärt, er habe eine solche Situation bislang noch nicht erlebt.

Die Folge: Für dieselbe Fracht sind deutlich mehr Fahrten nötig. Gleichzeitig verengt sich die Fahrrinne, sodass Binnenschiffer äußerst präzise navigieren müssen, um nicht das Ufer zu berühren. Die steigenden Transportkosten treffen letztlich Unternehmen und Endverbraucher gleichermaßen.

Ökologische Belastung durch Wärme und Sauerstoffmangel

Niedrigwasser heizt Flüsse schneller auf – besonders breite, begradigte Gewässer wie der Rhein sind davon betroffen. Mit steigender Wassertemperatur sinkt die Sauerstoffsättigung, was für Fische und andere Flussbewohner gefährlich wird. An Wehren wird deshalb bei zu niedrigem Sauerstoffgehalt gezielt Wasser über die Staumauer geleitet: Das Gefälle trägt Sauerstoff ins Wasser ein und stabilisiert das Ökosystem.

Natürliche Flüsse mit wechselnder Strömung, seichten Abschnitten und Ufergehölz bieten deutlich mehr Lebensraum. Bäume am Ufer spenden Schatten, verlangsamen den Temperaturanstieg und reduzieren die Verdunstung. Begradigte Flüsse mit großer Wasseroberfläche hingegen heizen sich schneller auf und fallen bei Niedrigwasser rascher trocken.

NABU-Fachbeauftragter Finn Zenker ordnet die Lage klar ein: „Die Niedrigwasserperiode, die wir haben, trägt die Handschrift des Klimawandels. Die Extreme werden immer häufiger, und dadurch wird es immer belastender für die Gewässer und deren Artengemeinschaften, die da drin vorkommen."

Industrie und Kraftwerke abhängig vom Pegelstand

Zahlreiche Unternehmen entlang des Rheins nutzen das Flusswasser zur Kühlung ihrer Anlagen. Je flacher und wärmer das Wasser, desto geringer sind die erlaubten Entnahmemengen. In Karlsruhe ist ein Kohlekraftwerk direkt vom Rheinpegel abhängig: Übersteigt die Wassertemperatur 28 Grad Celsius, darf kein Kühlwasser mehr entnommen werden. Nur eine behördliche Ausnahmegenehmigung kann den Betrieb in einem solchen Notfall aufrechterhalten.

Aufgestaute Flussabschnitte wie in Iffezheim fungieren zwar als wichtiger Puffer für die bedarfsgerechte Stromerzeugung, unterbrechen jedoch die natürliche Strömung und stellen für Wasserlebewesen eine Barriere dar. Der Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ökologischen Anforderungen verschärft sich mit zunehmenden Niedrigwasserperioden – ein Trend, den Umweltschutzorganisationen direkt auf den Klimawandel zurückführen.

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