Ölpreise reagieren nur verhalten auf Ereignisse in Venezuela
Marktteilnehmer fokussieren sich stärker auf globales Angebot und Opec+-Strategie

Die Ölpreise haben zum Wochenbeginn leicht nachgegeben, nachdem die Vereinigten Staaten den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht hatten. Die erste Reaktion an den Märkten fiel verhalten aus. Nach anfänglichen Verlusten von etwas mehr als einem Prozent erholten sich die Notierungen kurzzeitig, gaben im weiteren Verlauf jedoch wieder nach. Marktteilnehmer beschäftigen sich derzeit vor allem mit den möglichen kurz- und mittelfristigen Folgen des US-Einsatzes in dem ölreichen südamerikanischen Land.
In der Nacht auf Samstag hatten die USA mehrere Ziele in Venezuela angegriffen und Maduro festgenommen. Er wurde in die Vereinigten Staaten gebracht, wo ihm in New York wegen mutmaßlicher Drogendelikte der Prozess gemacht werden soll. Trotz der politischen Tragweite dieses Schrittes blieb eine starke und nachhaltige Reaktion an den Ölmärkten bislang aus, da Investoren die tatsächlichen Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage abwägen.
Am Montagmorgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 60,45 US-Dollar und lag damit rund 30 Cent unter dem Schlusskurs vom Freitag. Die US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar verbilligte sich um 36 Cent auf 56,96 US-Dollar je Barrel. Insgesamt bewegten sich die Preise damit weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Venezuela verfügt zwar über sehr große Ölreserven, kann diese jedoch aufgrund einer maroden Infrastruktur derzeit kaum nutzen. Das Land trägt weniger als ein Prozent zur weltweiten täglichen Ölproduktion bei und findet wegen des politischen Drucks aus Washington nur wenige Abnehmer. Die US-Regierung plant jedoch, die Ölproduktion mithilfe großer amerikanischer Konzerne wieder anzukurbeln, was mittelfristig zu einem höheren globalen Angebot führen könnte.
Experten gehen ohnehin davon aus, dass das weltweite Ölangebot im Laufe des Jahres weiter steigen wird. Das Förderbündnis Opec+, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, hatte seine Produktion im vergangenen Jahr schrittweise erhöht. Diese Ausweitung trug dazu bei, dass die Ölpreise zuletzt unter Druck gerieten. Für das erste Quartal soll die Förderung daher nicht weiter angehoben werden.
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Zur AktienanalyseVertreter des Bündnisses bestätigten diese Linie am Sonntag in einer kurzen Videokonferenz. Die Lage in Venezuela sei dabei nicht thematisiert worden, obwohl das Land Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder ist. Um die Produktion besser zu steuern, hatte die Opec ihren Kreis um weitere Staaten wie Russland, Brasilien und Mexiko zur Opec+ erweitert.


