Wall Street vor höherer Eröffnung: Chip-Aktien erholen sich weiter
Halbleiterwerte führen die vorbörslichen Gewinne an, während Anleger auf Quartalszahlen großer Technologiekonzerne warten.

Die wichtigsten Indizes an der Wall Street steuerten am Dienstag auf eine höhere Eröffnung zu. Halbleiteraktien setzten dabei ihre Erholung nach dem jüngsten Ausverkauf fort. Anleger richteten ihren Blick vor allem auf die bevorstehenden Quartalszahlen großer Technologiekonzerne, die Hinweise auf die Zukunft des KI-Booms liefern sollen.
Um 08:38 Uhr ET notierten die Dow E-minis 96 Punkte oder 0,18% höher. Die S&P 500 E-minis legten um 26,5 Punkte oder 0,35% zu, während die Nasdaq 100 E-minis um 348,75 Punkte oder 1,21% stiegen. Der iShares Semiconductor ETF kletterte vorbörslich um 4,1% und verzeichnete damit den zweiten Gewinntag in Folge.
Chip-Sektor im Bärenmarkt – aber Erholung setzt ein
Der Philadelphia SE Semiconductor Index hatte am Freitag mehr als 20% unter seinem Rekordhoch von Ende Juni geschlossen und damit offiziell einen Bärenmarkt bestätigt. Dennoch liegt der Index im bisherigen Jahresverlauf noch immer rund 66% im Plus. Die jüngste Volatilität bei Chipaktien hatte die wichtigsten Wall-Street-Indizes trotz eines optimistischen Starts in die Berichtssaison für das zweite Quartal und kühlerer Inflationsdaten in drei aufeinanderfolgende Verlustsitzungen gedrückt.
Hintergrund der Schwäche: Anleger hinterfragen zunehmend, ob die diesjährige kräftige Rallye im Halbleitersektor zu weit gegangen ist. Besonders kritisch wird geprüft, ob die massiven Investitionen der sogenannten Hyperscaler – also großer Cloud-Anbieter wie Alphabet – tatsächlich greifbare Erträge abwerfen. „Anleger müssen starke Gewinne gegen den andauernden Krieg mit dem Iran abwägen", sagte Art Hogan, Chefmarktstratege bei B. Riley Wealth. „Um dieses Tauziehen zu beenden, müssen wir von Hyperscalern wie Alphabet hören, die ihre Investitionspläne bestätigen. Eine solche Bestätigung durch große Akteure dürfte den Kursrückgang bei Halbleitertiteln nach unten absichern."
Geopolitik und Zölle belasten das Marktumfeld
Neben den Unternehmensgewinnen wägten die Märkte gemischte Signale aus dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ab. Ein hochrangiger iranischer Beamter hatte am Montag gegenüber Reuters erklärt, Teheran habe von Vermittlern einen Vorschlag für einen zehntägigen Waffenstillstand erhalten. Gleichzeitig kündigten die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an – eine potenzielle neue Front, die die Bedrohung für die weltweite Energieversorgung und den Handel erhöht. Die Futures für die Rohölsorte Brent kehrten nach anfänglichen Verlusten auf etwa 90 US-Dollar pro Barrel zurück.
Zusätzliche Unsicherheit brachte US-Präsident Donald Trump ins Spiel, der am Montag Zölle in Höhe von 50% auf eine breite Palette von Importen aus Kanada ankündigte. Die US-Regierung bezeichnete diesen Schritt als Reaktion auf Kanadas Umgang mit in den USA hergestellten Autos, Alkohol und Molkereiprodukten. Die Financial Times berichtete zudem, Trump werde voraussichtlich bereits in dieser Woche neue Zölle gegen Dutzende von Ländern verhängen, da sein globaler Zollsatz von 10% am Freitag ausläuft.
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Zur AktienanalyseEinzelwerte: 3M mit Kurssprung, Software unter Druck
Unter den frühen Gewinnern stach 3M hervor: Die Aktien des Industrieriesen stiegen um 6,3%, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben hatte. Halliburton hingegen verlor 3,7%, obwohl der Ölfelddienstleister die Gewinnschätzungen der Wall Street für das zweite Quartal knapp übertraf.
Softwareaktien gerieten ebenfalls unter Druck, nachdem Morgan Stanley die Ratings und Kursziele für mehrere Titel gesenkt hatte. Adobe, Intuit, Workday und Salesforce fielen jeweils um mehr als 4%. Der Fokus der Anleger richtet sich in dieser Woche besonders auf die Ergebnisse von Alphabet und Intel, die Aufschluss darüber geben könnten, ob der KI-Boom angesichts hoher Gewinnerwartungen noch weiteren Spielraum hat.


