US-Dollar auf Einmonatstief: Schwache Inflation bremst Fed-Zinserwartungen
Abkühlende US-Inflationsdaten und sinkende Zinserhöhungserwartungen drücken den Greenback auf den tiefsten Stand seit einem Monat.

Der US-Dollar notierte am Donnerstag nahe einem Einmonatstief, nachdem schwache Inflationsdaten die Erwartungen an baldige Zinserhöhungen der Federal Reserve deutlich gedämpft hatten. Der US-Dollar-Index, der den Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen abbildet, verharrte bei 100,47 – nahe seinem niedrigsten Stand seit dem 18. Juni. In den vorangegangenen zwei Handelssitzungen hatte der Index bereits 0,8% verloren und steuerte damit auf einen Wochenverlust zu.
Gegenüber dem japanischen Yen gab der Dollar die dritte Handelssitzion in Folge nach und sank um 0,1% auf 162,075 Yen. Der Euro legte 0,1% zu und notierte bei 1,1472 Dollar – dem stärksten Stand seit einem Monat. Das britische Pfund hielt sich nahe einem Zweimonatshoch bei 1,354 Dollar, gestützt durch Markterwartungen, dass der künftige britische Premierminister einen fiskalpolitisch konservativen Finanzminister ernennen wird.
Inflationsdaten schließen Juli-Zinserhöhung faktisch aus
Die US-Erzeugerpreise fielen im Juni überraschend so stark wie seit 14 Monaten nicht mehr. Zusammen mit der bereits zuvor veröffentlichten, überraschend schwachen Verbraucherinflation und einer Verlangsamung des Beschäftigungswachstums im Juni liefern diese Daten ein klares Bild: Eine Zinserhöhung der Fed im Juli gilt damit als faktisch ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juli sank drastisch auf nur noch 11% – verglichen mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 45% zu Beginn der Woche.
Für den September sehen die Märkte laut den Preisen für Fed-Funds-Futures der CME Group weiterhin eine ausgeglichene Chance für eine Anhebung um mindestens 25 Basispunkte. Die Frage ist damit nicht ob, sondern wann die Fed ihren Straffungskurs fortsetzt.
Bosco Wu, Investmentstratege bei der Bank of East Asia, ordnet die Bewegung am Devisenmarkt als Korrektur ein: „Die jüngste Dollarschwäche scheint eine Korrektur von vorangegangenen Höchstständen zu sein. Die Märkte hatten eine Zinserhöhung im Juli aggressiv eingepreist, was angesichts der sich schnell abkühlenden Inflation nun etwas übertrieben erscheint." Wu betonte jedoch, dass der Straffungskurs der Fed intakt bleibe, da ein einzelner Monat mit schwächeren Daten wahrscheinlich kein Signal für eine dauerhafte Verlangsamung der Inflation sei.
Nahost-Eskalation als Aufwärtsrisiko für Inflation und Dollar
Ein wichtiger Faktor, der das Abwärtspotenzial des Dollars begrenzt, ist die zunehmende Eskalation im Nahen Osten. Die USA griffen am Mittwoch iranische Küstenverteidigungen und Raketenstellungen an, nachdem erneut eine Seeblockade der Häfen verhängt worden war. Der Iran drohte daraufhin mit der Einstellung weiterer regionaler Energieexporte und erklärte, man befinde sich in einem „existenziellen Krieg" mit Amerika.
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Zur AktienanalyseDie geopolitischen Spannungen halten die Ölpreise nahe Einmonatshochs. Die Futures für die Sorte Brent wurden zuletzt bei rund 85,28 Dollar pro Barrel gehandelt – der vierte Anstieg in Folge. Höhere Energiepreise könnten den Inflationsrückgang bremsen und damit die Erwartungen an eine geldpolitische Pause der Fed wieder verschieben.
Der australische und der neuseeländische Dollar gaben beide um etwa 0,1% nach und notierten bei 0,6995 beziehungsweise 0,5842 Dollar. Für deutsche Anleger und Exporteure bleibt die Entwicklung des Dollarkurses bedeutsam, da ein schwächerer Greenback die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte auf dem US-Markt beeinflusst und gleichzeitig die Erträge aus US-Investments in Euro gerechnet schmälert.


