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Permian Basin: Amerikas größtes Ölfeld kämpft mit Erdgas-Überfluss

Fehlende Pipeline-Kapazitäten zwingen Produzenten im Permian Basin, Abnehmern Geld zu zahlen, damit diese ihr Erdgas überhaupt abnehmen.

Permian Basin: Amerikas größtes Ölfeld kämpft mit Erdgas-Überfluss

Das Permian Basin in Westtexas gilt als Amerikas produktivste Bohrregion – doch ausgerechnet ein Überangebot an Erdgas bedroht die Handlungsfähigkeit der dortigen Energieproduzenten. Das Problem: Beim Fördern von Öl entsteht zwangsläufig Erdgas als Nebenprodukt. Fehlen ausreichende Pipelines, um dieses Gas zu Kunden zu transportieren, bricht der regionale Gaspreis dramatisch ein.

Zu Beginn des Jahres, als Spannungen zwischen dem Iran und den USA die weltweiten Ölpreise in die Höhe trieben, spitzte sich die Lage im Permian Basin zu. Die Produzenten förderten so viel Erdgas, dass sie Abnehmern zunehmend hohe Summen zahlen mussten, damit diese das Gas überhaupt abnahmen. Der Grund: schlicht fehlende Pipeline-Kapazitäten für den Weitertransport.

Rekordtief bei minus 7,95 Dollar

Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise. In der ersten Jahreshälfte lagen die Gaspreise am regionalen Handelsknotenpunkt Waha im Durchschnitt bei minus 2,19 Dollar pro Million British Thermal Units (MMBtu). Ende April, als der Ölpreis bei fast 100 Dollar pro Barrel notierte, fiel der Gaspreis am Waha-Hub auf ein Rekordtief von minus 7,95 Dollar. Zum Vergleich: Am selben Tag kostete Gas am nationalen Referenzpunkt Henry Hub in Louisiana 2,72 Dollar pro MMBtu – ein Preisunterschied von über zehn Dollar.

Der Henry Hub in Louisiana gilt als nationale Benchmark für den US-Gasmarkt und bestimmt maßgeblich die Preise für Wärme- und Stromerzeugung in den gesamten USA. Negative Preise bedeuten im Energiemarkt, dass Produzenten faktisch dafür bezahlen müssen, ihre eigene Ware loszuwerden – ein Zeichen extremer Überversorgung in einer Region ohne ausreichende Transportwege.

Neue Pipelines bringen vorübergehende Entlastung

Im Sommer wurden neue Pipeline-Kapazitäten in Betrieb genommen, die den Gaspreis im Permian Basin wieder in den positiven Bereich hoben. Dennoch liegt der regionale Preis weiterhin rund 40 Prozent unter der nationalen Benchmark – ein deutliches Zeichen, dass das strukturelle Problem noch nicht gelöst ist.

Analysten warnen, dass die aktuelle Erholung nur von kurzer Dauer sein könnte. Bis gegen Ende des Jahrzehnts weitere Pipelines in Betrieb gehen, droht das Permian Basin erneut mit Gas überschwemmt zu werden – insbesondere dann, wenn hohe Ölpreise die Produzenten zu verstärkten Bohrungen animieren. Sollte etwa die Straße von Hormus geschlossen bleiben und die Ölpreise hoch bleiben, könnte die Gasproduktion die neu geschaffenen Kapazitäten schnell wieder ausschöpfen.

„Die große Frage ist, wie schnell die Gasproduktion die neuen Kapazitäten ausschöpft", sagte Rob Wilson, Präsident des Energiedaten-Unternehmens East Daley Analytics. „Im Permian Basin wächst die Gasförderung tendenziell schneller als die Rohölproduktion."

Strukturelles Dilemma für Ölproduzenten

Das eigentliche Dilemma liegt in der Natur der Ölförderung selbst: Öl und Gas kommen aus denselben Bohrlöchern. Produzenten können das Gas nicht einfach abstellen, ohne auch die Ölförderung zu drosseln. Fehlen Abnahmemöglichkeiten für das Begleitgas, werden die Produzenten in ihrer gesamten Handlungsfähigkeit eingeschränkt – selbst wenn die Ölpreise profitables Bohren ermöglichen würden.

Für deutsche Anleger und Energiemarktbeobachter ist die Entwicklung im Permian Basin von Bedeutung, da die USA einer der wichtigsten globalen Öl- und Gaslieferanten sind. Engpässe oder Produktionsbeschränkungen in dieser Schlüsselregion können sich auf die weltweiten Energiepreise auswirken – und damit auch auf die Energiekosten in Europa.

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