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Ölpreise im Fokus: S&P-500-Firmen kaum besorgt um Gewinne

Trotz häufiger Erwähnungen in Analystenkonferenzen senken nur sieben S&P-500-Unternehmen ihre Gewinnprognosen wegen hoher Ölpreise.

Ölpreise im Fokus: S&P-500-Firmen kaum besorgt um Gewinne

Das Thema Öl dominiert in dieser Berichtssaison viele Analystenkonferenzen der großen US-Konzerne. Wer die Gespräche zwischen CEOs und Analysten verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, dass die hohen Ölpreise – befeuert durch den anhaltenden Iran-Konflikt – die Unternehmensgewinne massiv unter Druck setzen. Doch die nüchternen Zahlen erzählen eine andere Geschichte.

Laut einer Analyse des Finanzdienstleisters FactSet, die auf Transkripten von Analystenkonferenzen basiert, fiel das Wort „Öl" im Zeitraum vom 15. März bis zum 5. Juni in insgesamt 149 Konferenzen von S&P-500-Unternehmen. Das ist der höchste Wert seit der Berichtssaison für das erste Quartal 2020 – als die COVID-19-Pandemie die Märkte erschütterte und Investoren einen massiven globalen Ölüberschuss befürchteten.

Wenig Konsequenzen für Gewinnprognosen

Trotz der intensiven Diskussionen über Ölpreise in den Vorstandsetagen bleibt die tatsächliche Auswirkung auf die Gewinnerwartungen überschaubar. Lediglich sieben Unternehmen aus dem S&P 500 nannten die Ölpreise explizit als Grund dafür, ihre Jahresprognosen zu senken oder gar nicht erst zu aktualisieren. Die Diskrepanz zwischen der Häufigkeit des Themas in Konferenzen und den konkreten Folgen für die Unternehmensplanung ist damit bemerkenswert groß.

Für deutsche Anleger, die in US-amerikanische Aktien oder in den S&P 500 investiert sind, ist dieser Befund durchaus relevant. Er deutet darauf hin, dass die Unternehmensführungen zwar die geopolitischen Risiken rund um den Ölmarkt wahrnehmen und kommunizieren, diese aber bislang nicht als akute Bedrohung für ihre Ertragslage einstufen. Viele Konzerne scheinen die erhöhten Energiekosten entweder durch Absicherungsgeschäfte, Effizienzmaßnahmen oder Preisanpassungen abfedern zu können.

Vergleich mit der Corona-Krise 2020

Der Vergleich mit dem ersten Quartal 2020 ist aufschlussreich. Damals sorgte der pandemiebedingte Nachfrageeinbruch für einen historischen Ölpreisverfall – der US-Rohölpreis WTI fiel zeitweise sogar in den negativen Bereich. Die Häufigkeit, mit der das Thema Öl damals in Analystenkonferenzen auftauchte, spiegelte eine echte Ausnahmesituation wider, die viele Branchen direkt betraf.

Heute hingegen ist die Situation eine andere: Die Ölpreise sind zwar erhöht, doch die Unternehmensgewinne zeigen sich bislang widerstandsfähig. Die aktuelle Häufigkeit der Ölpreis-Erwähnungen – auf dem höchsten Stand seit jenem Krisenjahr 2020 – signalisiert zwar erhöhte Wachsamkeit, aber noch keine breite wirtschaftliche Betroffenheit. Anleger sollten die Entwicklung dennoch im Blick behalten, da sich die Lage bei einer weiteren Eskalation im Nahen Osten schnell ändern könnte.

Für Investoren bleibt die Kernbotschaft dieser Berichtssaison damit klar: Die Ölpreis-Debatte ist in den Chefetagen angekommen – die Gewinnerwartungen der großen US-Konzerne hat sie bislang jedoch kaum erschüttert.

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