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Ölpreis über 90 Dollar: Nahost-Konflikt erschüttert Weltwirtschaft

Eskalation zwischen USA und Iran treibt Brent-Rohöl auf höchsten Stand seit Juni – Luftverkehr und Schifffahrt unter massivem Druck.

Ölpreis über 90 Dollar: Nahost-Konflikt erschüttert Weltwirtschaft

Die Ölpreise haben am Montag die psychologisch wichtige Marke von 90 US-Dollar pro Barrel überschritten. Brent-Rohöl verteuerte sich um rund 3 % auf 90,79 Dollar – den höchsten Stand seit dem 11. Juni. Die US-Sorte WTI notierte bei 84,68 Dollar. Auslöser ist eine dramatische Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, der die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt.

Der Anstieg kommt nicht überraschend: Bereits in der Vorwoche hatten die Ölpreise zweistellig zugelegt. Nun beschleunigt sich die Dynamik weiter, da die militärische Lage rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – immer bedrohlicher wird.

Militärische Eskalation rund um die Straße von Hormus

Die USA führten die neunte Nacht in Folge Luftangriffe gegen iranische Militäranlagen und Kommunikationsnetzwerke durch, mit dem erklärten Ziel, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Gleichzeitig meldeten Kuwait und Bahrain iranische Angriffe auf ihre Infrastruktur. US-Militärstützpunkte in Jordanien und Kuwait wurden ebenfalls attackiert.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bestätigten, zwei Öltanker gestoppt zu haben, die die sogenannte „unsichere" Südroute der Meerenge passieren wollten. Berichten der UK Maritime Trade Operations zufolge geriet zudem ein Schiff nordwestlich von Oman in Brand. Durch die Straße von Hormus wird normalerweise ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt – jede Störung dieser Route hat unmittelbare globale Konsequenzen.

Anthony Yuen von der Citigroup betont, dass Schifffahrtsunternehmen zunehmend zögern, die Meerenge zu befahren. Daten von LSEG bestätigen bereits einen messbaren Rückgang der Transitbewegungen. Analysten wie Amarpreet Singh von Barclays mahnen zur Vorsicht: Die Märkte seien zu optimistisch hinsichtlich der Lagerbestände, die sich auf dem niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre befänden.

Auswirkungen auf globale Märkte und Währungen

Die Folgen der Energiekrise sind auf den Finanzmärkten deutlich spürbar. Bloomberg berichtet, dass die Sorge vor einer durch höhere Energiepreise angeheizten Inflation zu Kursverlusten bei Staatsanleihen geführt hat. Die Aktienmärkte zeigen sich bislang weitgehend stabil, doch die Lage bleibt angespannt.

Besonders betroffen ist Indien: Das Land ist stark von Energieimporten aus der Golfregion abhängig. Die indische Zentralbank musste intervenieren, um die Rupie zu stützen, und hat dabei bereits erhebliche Devisenreserven zur Verteidigung der Währung eingebüßt.

Ryanair warnt vor schwerem Winter für den Luftverkehr

Besonders hart trifft die Krise den Luftverkehrssektor. Ryanair meldete für das erste Quartal einen Gewinnrückgang von 34 % auf 538 Millionen Euro. CEO Michael O'Leary warnte offen vor einem „schwierigen Winter" für die gesamte Branche. Da die irische Billigfluggesellschaft nur zu 80 % gegen Preisschwankungen bei Kerosin abgesichert ist, schlagen die gestiegenen Kraftstoffkosten – ein Plus von 41 % im Jahresvergleich – massiv auf das Ergebnis durch.

O'Leary prognostizierte, dass schwächere Wettbewerber ohne vergleichbare Absicherungsstrategien vor dem finanziellen Aus stehen könnten. Die Internationale Energieagentur hat bereits vor möglichen Engpässen bei Flugkraftstoffen in Europa gewarnt – ein Szenario, das die Branche zusätzlich unter Druck setzt.

Ob eine schnelle diplomatische Lösung in Sicht ist, bleibt laut Experten angesichts der verhärteten Fronten fraglich. Die Kombination aus militärischer Eskalation, angespannten Lagerbeständen und einer zunehmend nervösen Schifffahrtsbranche lässt die Energiemärkte vorerst im Ausnahmezustand verharren.

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