Morgan Stanley stuft Ferrari auf „Overweight" hoch – 24% Potenzial
Die US-Investmentbank hebt das Kursziel auf €380 an und sieht den jüngsten Kursrückgang als übertrieben.

Morgan Stanley hat Ferrari (NYSE: RACE / BIT: RACE) am Montag von „Equal Weight" auf „Overweight" hochgestuft. Die US-Investmentbank argumentiert, dass der jüngste Ausverkauf der Aktie zu weit gegangen sei und eher temporäre als strukturelle Risiken eingepreist habe. Gleichzeitig hob Morgan Stanley das Kursziel von €330 auf €380 an – das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 24% gegenüber dem aktuellen Kursniveau.
Die Ferrari-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 26% an Wert verloren. Im gleichen Zeitraum wurden die Konsensschätzungen für die Unternehmensgewinne der Jahre 2026 und 2027 jedoch nur um etwa 4% gesenkt. Laut den Analysten um Edouard Aubin sei dieser Rückgang „teilweise auf negative Gewinnrevisionen, primär jedoch auf eine Kompression der Multiplikatoren (Multiple Compression)" zurückzuführen.
„Unsere jüngsten Analysen deuten darauf hin, dass der Markt bei der Einpreisung dieser Probleme als finales Markenrisiko zu weit gegangen ist", schrieb das Analystenteam. Das sogenannte De-Rating wurde durch mehrere Faktoren ausgelöst: den auf dem Kapitalmarkttag im Oktober 2025 vorgestellten langsameren Wachstumsalgorithmus, den Druck auf die Restwerte von Hybridmodellen wie dem 296 und dem SF90 sowie die Unsicherheit rund um den Luce – Ferraris erstes batterieelektrisches Fahrzeug.
Händlerbefragungen zeigen: Kein dauerhafter Markenschaden
Morgan Stanley stützt seine positive Einschätzung unter anderem auf eigene Händlerbefragungen in den USA und Europa. Diese deuten laut den Analysten darauf hin, dass keines der genannten Probleme zu einem dauerhaften Markenschaden geführt habe. Besonders bei den Restwerten – von der Bank als wichtigster Einflussfaktor bezeichnet – signalisierten die Rückmeldungen, dass das Schlimmste wahrscheinlich überstanden sei.
Der 296 GTB wurde von Händlern wiederholt als auf oder nahe dem Tiefpunkt beschrieben, wobei die Transaktionsaktivität zunehme. Die Werte für das SF90 Coupé und den Spider scheinen sich nach einer deutlichen Korrektur ebenfalls zu stabilisieren. Zudem beobachteten die Analysten, dass Ferraris breitere Elektrifizierungsoffensive offenbar das Interesse von Sammlern an älteren Modellen mit Verbrennungsmotor neu entfacht habe – ein Effekt, den Morgan Stanley als unterstützend für das gesamte Ökosystem der Restwerte wertet.
Beim Luce fiel das Händlerfeedback kurzfristig gemischt bis negativ aus. Kritik konzentrierte sich auf das Design, den Einführungspreis von €550.000 in Italien sowie Fragen zur Zielkundschaft. Morgan Stanley argumentiert jedoch, dass der Markt eine schwache Aufnahme bereits eingepreist habe und dass eine disziplinierte Produktionsallokation „jeglichen Markenschaden begrenzen kann, während gleichzeitig Optionswerte bei Neukunden erhalten bleiben".
Struktureller Rückenwind durch wachsende UHNWI-Schicht
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Zur AktienanalyseAls weiteren strukturellen Rückenwind verweist Morgan Stanley auf Ferraris Positionierung in der sogenannten „K-förmigen Erholung" der Weltwirtschaft. Die Vermögensbildung konzentriere sich weiterhin auf extrem vermögende Privatpersonen (Ultra High Net Worth Individuals, UHNWI) – genau jene Kundengruppe, die für die Marke Ferrari am relevantesten ist.
Der Immobilienberater Knight Frank prognostiziert, dass die weltweite UHNWI-Population zwischen 2026 und 2031 um rund 235.000 Personen wachsen wird. Die USA sollen dabei etwa 58% dieses Anstiegs ausmachen – ein Umstand, der Ferraris Absatzperspektiven in einem seiner wichtigsten Märkte stützt.
Auf der Bewertungsseite senkte Morgan Stanley die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) von 8,1% auf 7,5%, um das gestiegene Vertrauen in die Beständigkeit der Nachfrage widerzuspiegeln. Die Gewinnschätzungen für die Geschäftsjahre 2027 bis 2030 wurden im Durchschnitt um rund 2% angehoben. Für Anleger, die auf eine Erholung der Ferrari-Aktie setzen, liefert die Analyse von Morgan Stanley damit eine klar strukturierte Argumentationskette – von stabilisierten Restwerten über robuste Nachfrage bis hin zu einem wachsenden Käuferkreis im Luxussegment.


