Michael Burry hält Oracle-Short trotz Teilglattstellung weiter aufrecht
„Big Short"-Investor Michael Burry weist Berichte über vollständigen Ausstieg aus Oracle-Wette als „Fake News" zurück.

Michael Burry, bekannt als Investor aus dem Film „The Big Short", hält weiterhin an seiner pessimistischen Wette gegen Oracle (NYSE: ORCL) fest. Auf der Plattform X widersprach er Medienberichten, die seinen Ausstieg aus der Short-Position gemeldet hatten: „Das sind Fake News. Ich habe die Hälfte glattgestellt, weil ich gewinne." Damit stellte er klar, dass seine sechsmonatige Baisse-Kampagne gegen Oracle keineswegs beendet ist.
Burry hatte die Oracle-Put-Positionen ursprünglich in einem Substack-Beitrag im Januar 2026 offengelegt – kurz nachdem er seinen Hedgefonds Scion Asset Management im November 2025 geschlossen hatte. Seine Baisse-These konzentrierte sich auf Oracles aggressive Ausgaben für KI-Infrastruktur, eine aus seiner Sicht fragwürdige Finanzierung sowie eine starke Kundenkonzentration auf OpenAI.
Warum Burry nur die Hälfte verkaufte
In einem weiteren Substack-Beitrag erläuterte Burry seine Entscheidung: Er verkaufte die Hälfte seiner Oracle-Puts mit Fälligkeit im Januar 2027, deren Basispreise im Bereich von niedrigen bis mittleren 100 US-Dollar lagen, weil die Position „zu groß" geworden sei. Er betonte, dass er sich nicht „in Optionsgeschäfte verliebt, die gut laufen" – und stellte klar: „Ich habe das Short-Exposure hier beibehalten, indem ich die Hälfte behalten habe." Medienberichte hatten diese Teilglattstellung offenbar fälschlicherweise als vollständigen Ausstieg interpretiert.
Die Oracle-Aktie markierte am Freitag, den 18. Juli, ein neues 52-Wochen-Tief von 121,50 US-Dollar. Dieses Niveau liegt rund 63 Prozent unter dem Allzeithoch von Oracle bei 345,72 US-Dollar – ein Einbruch, der Burrys Trade zu einer der folgenreichsten Short-Empfehlungen des Jahres 2026 gemacht hat.
S&P stuft Oracle auf BBB- herab
Burrys These erhielt inzwischen institutionelle Unterstützung: S&P Global Ratings senkte am 9. Juli das Kreditrating von Oracle auf BBB-, nur eine Stufe über dem sogenannten Ramsch-Status. Als Gründe nannte die Ratingagentur extreme Konzentrationsrisiken durch OpenAI, das etwa die Hälfte von Oracles Auftragsbestand in Höhe von 638 Milliarden US-Dollar ausmacht, sowie ein prognostiziertes Defizit beim freien Cashflow von 42 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027. Die Herabstufung konkretisierte damit eine zuvor eher qualitative Sorge zu einer handfesten Bilanzschlagzeile.
Bemerkenswert ist die Reaktion der Privatanleger: Nach Burrys Klarstellung auf X zeigten von Yahoo Finance verfolgte Daten von Stocktwits, dass die Stimmung für ORCL als „extrem bullish" bei „extrem hohem" Nachrichtenaufkommen eingestuft wurde. Privatanleger interpretierten die Teilglattstellung offenbar als positives Signal – obwohl Burrys Kernposition weiterhin short ist. Diese Divergenz zwischen Burrys Absicht und der Interpretation der Privatanleger dürfte in der kommenden Handelswoche für Spannung sorgen.
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Zur AktienanalyseWeitere Belastungsfaktoren für Oracle
Neben der Kredit-Herabstufung hat Oracle Pläne für eine zusätzliche Aktienemission im Wert von 20 Milliarden US-Dollar im weiteren Verlauf des Kalenderjahres 2026 bekannt gegeben. Das Angebot würde bestehende Aktionäre zu einem Preis verwässern, der deutlich unter den Höchstständen des Vorjahres liegt, was die Aktie weiter belasten könnte. Sollte diese Emission fortgesetzt werden, während das Narrativ der Kredit-Herabstufung intakt bleibt, hätte die verbleibende Hälfte von Burrys Januar-2027-Puts zusätzliche Zeit, sich auszuzahlen.
Burrys Oracle-Trade steht neben anderen aktiven Positionen: Er hält Put-Optionen auf Nvidia und hatte eine Short-Position in Palantir bis Juni 2026 teilweise aufgelöst. Die Oracle-Position bleibt eine seiner am besten dokumentierten und – angesichts des Kursrückgangs von ihrem Höchststand – auf dem Papier seine profitabelste. Oracle selbst hat sich bislang weder zu Burrys fortbestehendem Short-Engagement noch zum Narrativ der Kredit-Herabstufung geäußert.


