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Londoner Klimawoche: Extreme Hitze macht nationale Sicherheit zum Hauptthema

Während London unter 36 Grad litt, dominierten Sicherheitsrisiken, Energiewende und Methanbekämpfung die weltgrößte stadtweite Klimakonferenz.

Londoner Klimawoche: Extreme Hitze macht nationale Sicherheit zum Hauptthema

Die London Climate Action Week, das weltweit größte stadtweite Klimafestival, stand in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Während Zehntausende Teilnehmer an Sitzungen zu physischen Klimarisiken teilnahmen, kämpfte die Stadt selbst mit extremer Hitze. Das Thermometer kletterte auf 36 Grad Celsius – und zwang die Veranstalter, ausgerechnet eine Sitzung zum Thema extreme Hitze abzusagen, weil der fast 100 Jahre alte Veranstaltungsort ein Gesundheitsrisiko darstellte.

Die britische Klimaministerin Katie White schloss die Veranstaltungswoche mit einer konkreten Ankündigung ab: Eine neue Task Force aus Sicherheits-, Militär- und Wissenschaftsexperten soll die „Lücken" in der Klimabereitschaft des Vereinigten Königreichs schließen. Damit rückte das Thema nationale Sicherheit ins Zentrum der Debatte – ein Zeichen dafür, wie ernst Regierungen die Folgen des Klimawandels inzwischen einschätzen.

Zu den von der britischen Regierung hervorgehobenen Risiken zählten klimabedingte Migration aus besonders betroffenen Ländern, geopolitische Spannungen sowie Infrastruktur und Vermögenswerte, die zunehmend unversicherbar oder uninvestierbar werden. Londons Bürgermeister Sadiq Khan präsentierte parallel dazu einen Hitzeplan für die Hauptstadt, der mehr Bäume und Schatten, Kühlräume sowie besser konzipierte Gebäude vorsieht.

Methan als „Notbremse" gegen die Erderwärmung

Mitten in der Hitzewelle empfing König Charles im St. James's Palace – der königlichen Residenz, die Heinrich VIII. in den 1530er Jahren erbauen ließ – hochrangige Gäste zum Thema „Super-Schadstoffe". UN-Generalsekretär António Guterres und die Premierministerin von Barbados, Mia Mottley, gehörten zu den Teilnehmern. Da der Palast über keine ausreichende Kühlung verfügt, durften die Gäste auf den üblichen Dresscode „Lounge Suit oder Tageskleid" verzichten.

Im Mittelpunkt stand Methan, das für etwa ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich ist, aber im Gegensatz zu Kohlendioxid deutlich kürzer in der Atmosphäre verweilt. Experten sehen die Bekämpfung von Methan – etwa durch die Reduzierung von Lecks bei der Gasförderung – daher als wirksame „Notbremse" im Kampf gegen den Klimawandel.

Zu den prominenten Teilnehmern der Klimawoche zählten neben Guterres auch der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, der ehemalige US-Außenminister John Kerry sowie Jim Skea, der Vorsitzende des Weltklimarats (IPCC). Aus der Wirtschaft waren Nachhaltigkeitsbeauftragte von Konzernen wie Rolls-Royce, Goldman Sachs und dem Versicherer Generali vertreten.

Energiesicherheit und physische Klimarisiken im Fokus

Googles Chief Sustainability Officer Kate Brandt bat ihr Publikum in der Londoner Google-Zentrale per Handzeichen, wer bereits Überschwemmungen, extreme Hitze, Waldbrände, Dürren oder Hurrikane erlebt habe – fast alle meldeten sich. Brandt räumte ein, dass Bedenken hinsichtlich des Energie- und Wasserverbrauchs von Big Tech „berechtigt" seien. Google präsentierte dennoch vor allem eigene Klimaschutzinitiativen, darunter eine Google-Maps-Funktion zur Lokalisierung von E-Ladestationen und kraftstoffeffizienteren Routen sowie Frühwarnsysteme für Extremwetterereignisse.

Linda-Eling Lee, Leiterin der globalen Forschung am Datenanbieter MSCI, beobachtet eine wachsende Nachfrage von Kunden nach Daten zu physischen Klimaauswirkungen – im Gegensatz zu reinen Emissionsdaten. „Im Moment geht es viel mehr um physische Risiken als um Schadensbegrenzung", sagte sie.

Ein weiteres zentrales Thema der Woche war Energiesicherheit durch Elektrifizierung mittels Solar-, Windkraft und Batterien – ein Thema, das durch den Krieg im Nahen Osten stark an Bedeutung gewonnen hat. Das Vereinigte Königreich, die EU, Brasilien, die Türkei, Australien, Äthiopien, Kanada und Korea starteten gemeinsam eine neue Öffentlichkeitsinitiative. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen kündigte an, in den kommenden Wochen einen Plan zur „Elektrifizierung Europas" vorzulegen.

Fehlende Anpassungsfinanzierung als „massives Problem"

Simon Stiell, Leiter des UN-Klimasekretariats, warnte gegenüber der Financial Times, dass der Mangel an Finanzmitteln für die Klimaanpassung ein „massives Problem" darstelle. „Je weniger auf der Seite der Emissionsminderung getan wird, desto mehr muss für die Anpassungsfinanzierung getan werden. Und je weniger für die Anpassung getan wird, desto mehr muss in Verluste und Schäden investiert werden", erklärte er.

Die Hitzewelle in London habe eindrücklich gezeigt, wie schlecht Städte vorbereitet seien – „nicht nur auf das, was kommt, sondern auf das, was bereits da ist", so Stiell. Für deutsche Anleger und Unternehmen unterstreicht die Konferenz, dass physische Klimarisiken – von Infrastrukturschäden bis hin zu Versicherungsfragen – zunehmend in Investitionsentscheidungen einfließen müssen.

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