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Klimaanlagen in Europa: Notwendigkeit statt Luxus bei Rekordhitze

Europäische Städte leiden unter Rekordtemperaturen. Die FT fordert ein Umdenken bei Klimaanlagen – aus Komfort-, Produktivitäts- und Überlebensgründen.

Klimaanlagen in Europa: Notwendigkeit statt Luxus bei Rekordhitze

Paris mit 40,9 °C im Juni, Berlin mit 39,9 °C, Wien mit 40 °C – europäische Großstädte erleben Temperaturen, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären. Europa ist laut Klimadaten der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt: Die Temperaturen liegen heute im Durchschnitt um 2,4 °C höher als in der vorindustriellen Zeit. Dennoch ist die Klimaanlage – eine Technologie, die diese Hitze erträglich machen könnte – in Europa politisch umstritten.

In Deutschland hat ein Streit über Wärmepumpen die öffentliche Debatte geprägt, obwohl diese Geräte im Winter heizen und im Sommer kühlen können. In Frankreich haben Teile der politischen Linken großangelegte Klimaanlagenpläne mit Verweis auf erhöhte Emissionsrisiken angegriffen. Dabei ist die geringe Verbreitung von Klimaanlagen in weiten Teilen Europas historisch betrachtet schlicht pragmatisch begründet: Bisher wurden sie nicht benötigt.

Tausende Hitzetote jährlich – Europa hinkt hinterher

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes Jahr sterben Tausende Europäer an Hitze, insbesondere ältere Menschen. Vergleichbare Klimazonen in den USA weisen dabei deutlich niedrigere Sterberaten auf – ein Unterschied, der direkt mit der weitaus höheren Verbreitung von Klimaanlagen dort zusammenhängt. Hinzu kommt der wirtschaftliche Schaden: Studien belegen, dass sehr hohe Temperaturen die Produktivität der Arbeitnehmer messbar senken.

Von Singapur bis zu den Städten des US-amerikanischen „Sun Belts" haben Klimaanlagen ein enormes Wirtschaftswachstum an Orten ermöglicht, die zuvor als weniger lebenswert galten. Europa könnte von diesen Erfahrungen lernen. Die Botschaft der Financial Times ist klar: Aus Gründen des Komforts, der Produktivität und der Sterblichkeitsrate muss sich Europa mit dieser Technologie anfreunden – und in ihre flächendeckende Einführung investieren.

Die diesjährige Hitze ist dabei kein Ausreißer. Atmosphärische Bedingungen haben eine europäische „Hitzeglocke" geschaffen, die Hitzewellen befeuert und Rekorde bricht. Solange die Welt von der Verbrennung fossiler Brennstoffe abhängig bleibt – dem mit Abstand größten Verursacher der globalen Erwärmung – werden sich solche Sommer wiederholen.

Prioritäten: Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime zuerst

Die flächendeckende Einführung von Klimaanlagen wird weder einfach noch günstig sein. In den kommenden Jahrzehnten wird die Klimaanpassung Hunderte Milliarden US-Dollar kosten. Dennoch lassen sich konkrete Schritte identifizieren, die kurzfristig Wirkung zeigen können:

  • Regierungen sollten zunächst die Schwächsten priorisieren: Krankenhäuser, Schulen und Pflegeheime
  • Unternehmensinhaber könnten mit gutem Beispiel vorangehen, um Mitarbeiter kühl und produktiv zu halten
  • Regulatorische Änderungen könnten es Hausbesitzern und Unternehmen erleichtern, Klimaanlagen zu installieren und ältere Gebäude nachzurüsten – ohne zusätzliche Kosten für den Staat

Das häufigste Gegenargument – Klimaanlagen würden den Klimawandel verschärfen – lässt sich entkräften. Es hängt entscheidend davon ab, welche Modelle verwendet werden und woher der Strom stammt. Klimaanlagen ohne klimaschädliche Kältemittel sollten bevorzugt werden. Europas Stromnetz gilt im globalen Vergleich bereits als bemerkenswert sauber, und der Kontinent baut seine Wind- und Solarkapazitäten weiter aus. Zusätzlicher Strom für Klimaanlagen muss also nicht zwangsläufig aus fossilen Brennstoffen stammen.

Diese Investitionen in saubere Energie hätten zudem den Vorteil, einem weiteren Anstieg der ohnehin hohen Energiepreise entgegenzuwirken. Klimaanlagen sind dabei nur eine von vielen notwendigen Maßnahmen zur Klimaanpassung. Nachhaltigere und grünere Städte würden ebenfalls dazu beitragen, die Auswirkungen extremer Hitze abzumildern. Doch angesichts der Übersterblichkeit durch Hitze ist die Schlussfolgerung eindeutig: Für Europa sind Klimaanlagen keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.

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