Jim Cramer: Netflix-Aktie nach Ausverkauf wieder kaufenswert?
CNBC-Moderator Jim Cramer sieht nach dem 44-prozentigen Kurseinbruch eine Einstiegschance bei Netflix – rät aber zur Geduld.

Jim Cramer, bekannter Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money", hat sich am Montag klar zur angeschlagenen Netflix-Aktie positioniert. Nach einem Kursrückgang von rund 44% im vergangenen Jahr – inklusive eines weiteren Minus von 10% nach dem jüngsten Quartalsbericht – sieht Cramer den Streaming-Riesen wieder auf einem attraktiven Bewertungsniveau. „Es kommt nicht oft vor, dass man eines der besten Unternehmen mit einem Preisabschlag bekommt", sagte er.
Dennoch mahnte der TV-Moderator zur Besonnenheit. „Wenn Sie weiterhin an Netflix glauben, würde ich hier eine kleine Position aufbauen und diese bei Kursschwäche schrittweise aufstocken", so Cramer. Er betonte gleichzeitig, dass Anleger eine günstigere Aktie nicht mit einer sofortigen Rendite verwechseln sollten – er „wäre nicht überrascht, wenn uns die Schwäche noch eine Weile erhalten bleibt".
Enttäuschendes Quartal mit besorgniserregenden Signalen
Das zweite Quartal verlief für Netflix nicht nach Wunsch. Das Unternehmen verfehlte die Umsatzerwartungen der Wall Street, und der Ausblick des Managements fiel schwächer als erwartet aus. Cramer bezeichnete genau diese Punkte – den verhaltenen Ausblick und den zunehmend schwierigen Weg zur erneuten Beschleunigung des Umsatzwachstums – als die eigentlich besorgniserregenden Erkenntnisse. Für das Gesamtjahr erwartet Netflix ein Umsatzwachstum zwischen 13% und 14%, nach einem Wachstum von 16,5% im Jahr 2025.
„Ich werde nicht so tun, als ob das Quartal großartig war. Es war eine Enttäuschung", räumte Cramer ein. „Das Content-Angebot ist eindeutig nicht so stark wie üblich." Er argumentierte, dass Netflix nicht mehr dieselben Wettbewerbsvorteile genieße wie einst – da Verbraucher problemlos zwischen Streaming-Diensten wechseln können, seien Hit-Inhalte wichtiger denn je.
In diesem Zusammenhang verwies Cramer auf die gescheiterte Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD). Netflix hatte sich aus dem Bieterprozess zurückgezogen, nachdem der WBD-Vorstand ein überarbeitetes Gebot von Paramount als das bessere Angebot eingestuft hatte. Eine Übernahme hätte laut Cramer die Inhaltsbibliothek von Netflix erheblich gestärkt.
Transparenz-Rückzug beunruhigt die Wall Street
Zusätzlich sorgt eine Entscheidung von Netflix für Unmut unter Investoren: Das Unternehmen will seinen Engagement-Bericht „What We Watched" künftig nur noch einmal jährlich statt zweimal im Jahr veröffentlichen. Dies folgt auf den bereits im Vorjahr vollzogenen Schritt, die quartalsweise Berichterstattung über Mitgliederzahlen einzustellen. Cramer bestätigte, dass diese zunehmende Intransparenz die Wall Street beunruhige.
Trotz aller Kritikpunkte sieht Cramer handfeste Argumente für die Aktie. Mit etwa dem 19-fachen der diesjährigen Gewinnschätzungen notiert Netflix auf dem günstigsten Bewertungsniveau seit 2022. Zudem kaufte das Unternehmen im zweiten Quartal eigene Aktien im Wert von 4,7 Milliarden US-Dollar zurück – so viel wie noch nie in einem einzelnen Quartal. Die verbleibende Rückkaufermächtigung beläuft sich auf rund 27 Milliarden US-Dollar.
Wachstumschancen in Werbung, Live-TV und Gaming
„Ich denke, es gibt einen Grund, warum diese Leute Aktien so schnell wie nie zuvor in der Geschichte zurückkaufen", kommentierte Cramer das aggressive Rückkaufprogramm. Er sieht Netflix weiterhin als eines der stärksten Unternehmen der Branche – mit konkreten Wachstumschancen in drei Bereichen:
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Zur Aktienanalyse: Das Management erwartet, dass sich die Werbeeinnahmen in diesem Jahr in etwa verdoppeln werden.
Live-Programmierung
: Netflix baut sein Angebot an Live-Inhalten gezielt aus.
Gaming
: Der Bereich gilt als langfristiger Wachstumstreiber.
Hinzu kommt, dass Netflix nach eigenen Angaben weniger als 45% der adressierbaren Breitbandhaushalte durchdrungen hat – was erhebliches Wachstumspotenzial signalisiert. „Dies ist kein angeschlagenes Unternehmen", betonte Cramer abschließend. „Es ist eines der besten Unternehmen überhaupt, mit einem der besten Produkte." Für deutsche Privatanleger bleibt die Botschaft klar: Wer an Netflix glaubt, kann schrittweise einsteigen – sollte aber keine schnelle Erholung erwarten.


