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Große Studie: Cannabis verdoppelt psychisches Erkrankungsrisiko bei Jugendlichen

Eine Studie mit über 463.000 Probanden zeigt: Cannabiskonsum im Jugendalter erhöht das Risiko für psychotische und bipolare Störungen erheblich.

Große Studie: Cannabis verdoppelt psychisches Erkrankungsrisiko bei Jugendlichen

Eine der bislang umfangreichsten Studien zum Thema Cannabis und psychische Gesundheit liefert alarmierende Ergebnisse: Jugendliche, die Marihuana konsumieren, haben ein etwa doppelt so hohes Risiko, im jungen Erwachsenenalter schwere psychiatrische Erkrankungen zu entwickeln. Die im Fachmagazin JAMA Health Forum veröffentlichte Untersuchung umfasste 463.396 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die bis zum Alter von 26 Jahren begleitet wurden.

Die Forscher stellten fest, dass Jugendliche, die im vergangenen Jahr Cannabiskonsum angaben, ein signifikant erhöhtes Risiko für psychotische Störungen, bipolare Störungen, Depressionen und Angstzustände aufwiesen. Besonders gravierend: Das Risiko für psychotische sowie bipolare Störungen war bei konsumierenden Jugendlichen jeweils rund doppelt so hoch wie bei nicht konsumierenden Gleichaltrigen.

Die Studie wurde von Forschern von Kaiser Permanente, dem Public Health Institute, der University of California San Francisco und der University of Southern California durchgeführt. Finanziert wurde sie durch das National Institute on Drug Abuse.

Cannabiskonsum ging der Diagnose oft um Jahre voraus

Ein besonders bedeutsamer Befund betrifft die zeitliche Abfolge: Im Durchschnitt wurde der Cannabiskonsum 1,7 bis 2,3 Jahre vor der Diagnose einer psychiatrischen Störung gemeldet. Diese zeitliche Verschiebung stärkt die Argumentation, dass die Cannabisexposition während der Adoleszenz zur späteren Entwicklung psychischer Erkrankungen beitragen kann – und nicht umgekehrt.

„Da Cannabis potenter wird und aggressiver vermarktet wird, deutet diese Studie darauf hin, dass Cannabiskonsum im Jugendalter mit einem doppelt so hohen Risiko für neu auftretende psychotische und bipolare Störungen verbunden ist – zwei der schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen", sagte Lynn Silver, Programmdirektorin von „Getting it Right from the Start" beim Public Health Institute und Mitautorin der Studie.

Silver forderte eine dringende Reaktion der öffentlichen Gesundheitspolitik: Diese solle die Potenz der Produkte verringern, Prävention priorisieren, die Exposition und das Marketing für Jugendliche einschränken und den Cannabiskonsum von Jugendlichen als ernstes Gesundheitsproblem behandeln.

Steigende THC-Gehalte verschärfen die Lage

Cannabis bleibt die am häufigsten konsumierte illegale Droge unter Jugendlichen in den USA. Daten der Studie „Monitoring the Future" zeigen, dass der Konsum mit dem Alter stetig zunimmt – von etwa 8 Prozent bei Achtklässlern auf 26 Prozent bei Zwölftklässlern. Laut der nationalen Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit aus dem Jahr 2024 gaben mehr als 10 Prozent der US-Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben.

Gleichzeitig sind Cannabisprodukte deutlich stärker geworden. Der durchschnittliche THC-Gehalt in kalifornischen Cannabisblüten übersteigt mittlerweile 20 Prozent – erheblich mehr als in früheren Jahrzehnten. Einige Cannabiskonzentrate enthalten sogar mehr als 95 Prozent THC.

Auch moderater Konsum birgt Risiken

Ein methodisch wichtiger Aspekt der Studie: Viele frühere Untersuchungen konzentrierten sich auf starken Cannabiskonsum oder Cannabiskonsumstörungen. Diese Studie wählte einen breiteren Ansatz und untersuchte jeglichen selbstberichteten Konsum innerhalb des letzten Jahres – erhoben aus elektronischen Gesundheitsakten bei routinemäßigen pädiatrischen Untersuchungen zwischen 2016 und 2023.

„Selbst nach Berücksichtigung früherer psychischer Erkrankungen und des Konsums anderer Substanzen hatten Jugendliche, die Cannabiskonsum angaben, ein wesentlich höheres Risiko, psychiatrische Störungen zu entwickeln – insbesondere psychotische und bipolare Störungen", sagte Kelly Young-Wolff, Hauptautorin der Studie und leitende Wissenschaftlerin an der Kaiser Permanente Division of Research.

Young-Wolff betonte zudem: „Es ist unerlässlich, dass Eltern und ihre Kinder genaue, vertrauenswürdige und evidenzbasierte Informationen über die Risiken des Cannabiskonsums im Jugendalter erhalten."

Soziale Ungleichheit als zusätzlicher Risikofaktor

Die Forscher wiesen außerdem auf ein besorgniserregendes Muster hin: Cannabiskonsum war bei Jugendlichen, die bei Medicaid versichert sind, und bei jenen aus sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen häufiger anzutreffen. Den Studienautoren zufolge könnte die fortschreitende Kommerzialisierung von Cannabis bestehende Ungleichheiten bei den psychischen Gesundheitsergebnissen weiter verschärfen.

Für deutsche Leser ist diese Studie auch im Kontext der hiesigen Cannabislegalisierung relevant. Die Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung eines konsequenten Jugendschutzes sowie einer evidenzbasierten Aufklärung über die Risiken des Cannabiskonsums in der Entwicklungsphase des Gehirns.

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