Europäische Gaspreise steigen nach Tankerbrand in Straße von Hormus
Ein Tankerangriff in der Straße von Hormus treibt die europäischen Erdgaspreise auf den höchsten Stand seit März.

Die europäischen Erdgas-Großhandelspreise sind am Montag um fast 3,5% in die Höhe geschnellt und erreichten ihren höchsten Stand seit dem 23. März. Auslöser war eine erneute Eskalation im Nahostkonflikt, die tiefe Sorgen über Störungen bei der weltweiten Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG) schürte. Der niederländische Frontmonatskontrakt, die maßgebliche europäische Benchmark, legte bis zum Vormittag um 3,45% zu. Der entsprechende britische Großhandelspreis für Gas folgte mit einem Plus von 3,52%.
Der Preissprung geht auf Berichte zurück, wonach ein Handelstanker in der strategisch wichtigen Straße von Hormus nach einem Angriff in Brand geraten ist. Die Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel gilt als die weltweit wichtigste maritime Energieader. Über sie wird rund ein Fünftel des gesamten weltweiten LNG-Volumens transportiert – hauptsächlich von den großen Lieferanten am Persischen Golf.
Europas Abhängigkeit von LNG macht den Kontinent besonders verwundbar
Die europäischen Energiemärkte reagieren äußerst sensibel auf jede drohende Blockade des Persischen Golfs. Nach dem strukturellen Wegfall von russischem Pipeline-Gas in den vergangenen Jahren ist der Kontinent stark auf flexibles, auf dem Seeweg transportiertes LNG angewiesen, um Haushalte zu heizen und die industrielle Produktion mit Energie zu versorgen. Diese neue Abhängigkeit macht Europa besonders anfällig für geopolitische Erschütterungen in der Region.
Die eskalierende Krise auf See trifft die europäischen Versorgungsunternehmen zu einem äußerst heiklen Zeitpunkt. Gleichzeitig zog auch der Rohölpreis um 2,2% an und riss damit ölpreisgebundene Gaskontrakte im Gleichschritt nach oben. Die Kombination beider Preistreiber verstärkt den Druck auf die europäischen Energiemärkte erheblich.
Versicherungskosten als unmittelbarer Preistreiber
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Zur AktienanalyseHändler weisen darauf hin, dass die weltweiten LNG-Lieferungen die Meerenge physisch zwar noch immer passieren – allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Das Bedrohungsprofil habe sich jedoch grundlegend gewandelt. Allein die Erwähnung aktiver Sicherheitsbedrohungen und brennender Schiffe genügt, damit Versicherer exorbitante Kriegsrisikoprämien verlangen.
Diese erhöhten Versicherungskosten fließen unmittelbar in die europäische Preiskurve ein und treiben die Großhandelspreise auch dann nach oben, wenn die physischen Liefermengen kurzfristig noch unverändert bleiben. Für deutsche Verbraucher und Industriebetriebe bedeutet dies: Jede weitere Eskalation im Nahostkonflikt kann sich schnell und direkt auf die Energiekosten auswirken.


