Cannabis bei Jugendlichen bremst Gedächtnis- und Denkentwicklung deutlich
Eine US-Langzeitstudie mit über 11.000 Teilnehmern zeigt: Jugendliche Cannabiskonsumenten entwickeln kognitive Fähigkeiten langsamer als Gleichaltrige.

Forscher der University of California San Diego haben in einer groß angelegten Langzeitstudie herausgefunden, dass Jugendliche, die mit dem Cannabiskonsum beginnen, im Verlauf ihrer Entwicklung geringere Fortschritte bei Denk- und Gedächtnisleistungen erzielen. Die Studie wurde am 20. April 2026 im renommierten Fachjournal Neuropsychopharmacology veröffentlicht und gilt als eine der umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema.
Grundlage der Forschung sind Daten der sogenannten Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study – der größten Langzeitstudie zur Gehirnentwicklung bei US-amerikanischen Jugendlichen. Insgesamt wurden 11.036 Kinder im Alter von 9 bis 10 Jahren über mehrere Jahre hinweg begleitet, bis sie 16 oder 17 Jahre alt waren. Dabei erfassten die Wissenschaftler sowohl die kognitive Leistungsfähigkeit als auch den Substanzkonsum der Teilnehmer.
Um ein möglichst genaues Bild des Cannabiskonsums zu erhalten, kombinierte das Forschungsteam Selbstauskünfte der Jugendlichen mit biologischen Tests. Dazu zählten Haar-, Urin- und Speichelproben, die eine Drogenexposition von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten nachweisen können. Dieses methodische Vorgehen macht die Studie besonders aussagekräftig.
Kognitive Entwicklung stagniert mit zunehmendem Konsum
Über ein breites Spektrum an Fähigkeiten hinweg – darunter Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Verarbeitungsgeschwindigkeit – zeigten konsumierende Jugendliche im Zeitverlauf ein eingeschränktes Wachstum im Vergleich zu Nichtkonsumenten. Besonders auffällig: In jüngeren Jahren schnitten diese Jugendlichen teilweise genauso gut oder sogar etwas besser ab als ihre Altersgenossen. Doch mit beginnendem Cannabiskonsum stagnierte ihr Fortschritt, während sich die Vergleichsgruppe weiter verbesserte.
„Die Adoleszenz ist eine entscheidende Phase für die Gehirnentwicklung, und wir beobachten, dass Jugendliche, die mit dem Cannabiskonsum beginnen, sich nicht im gleichen Maße verbessern wie ihre Altersgenossen", erklärte Natasha Wade, PhD, Assistenzprofessorin am Department of Psychiatry der UC San Diego School of Medicine und Hauptautorin der Studie. „Diese Unterschiede mögen anfangs gering erscheinen, können sich jedoch so summieren, dass sie das Lernen, das Gedächtnis und die alltägliche Funktionsfähigkeit beeinträchtigen."
Die Studie untersuchte zudem die Wirkung einzelner Cannabisbestandteile. In einer kleineren Teilnehmergruppe zeigten Jugendliche mit Anzeichen einer Exposition gegenüber Tetrahydrocannabinol (THC) – dem berauschenden Hauptwirkstoff in Cannabis – im Zeitverlauf schlechtere Gedächtnisleistungen als Nichtkonsumenten. Bei Jugendlichen mit Anzeichen von Cannabidiol (CBD) zeigte sich dieses Muster hingegen nicht, wenngleich diese Gruppe klein war.
THC als wahrscheinlicher Treiber der Veränderungen
„Diese Ergebnisse deuten auf THC als wahrscheinlichen Treiber der beobachteten Veränderungen hin", so Wade. „Es verdeutlicht zudem, wie komplex Cannabisprodukte sein können, insbesondere da einige als CBD gekennzeichnete Produkte dennoch THC enthalten können." Diese Einschätzung ist auch für den deutschen Markt relevant, wo CBD-Produkte frei erhältlich sind und deren tatsächliche Zusammensetzung nicht immer transparent ist.
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Zur AktienanalyseDie Forscher betonen ausdrücklich, dass die Studie keinen direkten Kausalzusammenhang beweist. Andere Faktoren wie das soziale Umfeld oder die Persönlichkeit könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Das Team berücksichtigte jedoch zahlreiche Einflussvariablen, darunter den familiären Hintergrund, die psychische Gesundheit, den Konsum anderer Substanzen sowie die individuelle kognitive Ausgangsleistung jedes Teilnehmers.
Obwohl die festgestellten Unterschiede relativ moderat ausfielen, könnten sie laut den Forschern dennoch von erheblicher Bedeutung sein. Während der Adoleszenz entwickelt sich das Gehirn besonders rasant, und selbst kleine Veränderungen bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Denkgeschwindigkeit können die schulische Leistung und das tägliche Leben spürbar beeinflussen.
Das Forschungsteam plant, die Teilnehmer bis ins junge Erwachsenenalter weiter zu begleiten, um die langfristigen Auswirkungen des Cannabiskonsums besser zu verstehen – insbesondere im Hinblick darauf, wie Zeitpunkt und Häufigkeit des Konsums die Gehirnentwicklung prägen. „Das Hinauszögern des Cannabiskonsums unterstützt eine gesunde Gehirnentwicklung", fasste Wade zusammen. „Da Cannabis immer leichter verfügbar wird, ist es für Familien und Jugendliche wichtig zu verstehen, wie es das sich entwickelnde Gehirn beeinflussen kann."


