Boeing-Chef: Finanzielle Sanierung braucht noch einige Jahre
CEO Kelly Ortberg setzt klare Prioritäten: Erst Stabilisierung, dann neues Flugzeugprogramm – frühestens Ende des Jahrzehnts.

Boeing-Chef Kelly Ortberg hat auf der Farnborough International Airshow in Großbritannien klargemacht, dass der angeschlagene US-Flugzeugbauer noch „ein paar Jahre" benötigen wird, um seine Finanzen zu sanieren. Erst danach könne das Unternehmen ein neues Verkehrsflugzeug auf den Markt bringen. Ortberg äußerte sich am Montag gegenüber CNBC-Reporter Phil LeBeau und signalisierte damit eine klare strategische Priorität: Stabilisierung vor Expansion.
Der Boeing-CEO nannte drei konkrete Hürden, die das Unternehmen überwinden müsse, bevor es sich auf ein neues Flugzeugprogramm festlege. Erstens müsse die Technologie für ein neues Flugzeug bereit sein. Zweitens brauche Boeing ausreichende Marktnachfrage. Und drittens – und das ist die unmittelbarste Herausforderung – müssen die Unternehmensfinanzen auf soliden Beinen stehen.
Fokus auf bestehende Modelle
Ortberg betonte, dass die Fluggesellschaften Boeing derzeit ausdrücklich dazu auffordern, sich auf die Verbesserung der Zuverlässigkeit und Produktion der aktuellen Modellpalette zu konzentrieren. Ein überstürzter Start eines neuen Jet-Programms wäre demnach nicht im Sinne der Kunden. Dies deutet darauf hin, dass ein neues Schmalrumpfflugzeug – ein potenzieller Nachfolger der meistverkauften 737 MAX – frühestens gegen Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen dürfte.
Ortberg war aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um Boeing nach einer schweren Krise zu stabilisieren. Das Unternehmen hatte mit einer Reihe von Fertigungs- und Qualitätsproblemen zu kämpfen. Den vorläufigen Tiefpunkt markierte im Januar 2024 das beinahe katastrophale Herausbrechen eines Rumpf-Türstopfens bei einem 737-MAX-9-Flugzeug – ein Vorfall, der weltweit für Schlagzeilen sorgte und das Vertrauen in den Konzern massiv erschütterte.
Airbus plant neuen Jet für 2030
Während Boeing auf Konsolidierung setzt, gibt Konkurrent Airbus das Tempo vor. Airbus-CEO Guillaume Faury erklärte ebenfalls am Montag gegenüber CNBC, dass man einen Single-Aisle-Jet der nächsten Generation für etwa 2030 anstrebe. Die Indienststellung solle in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts erfolgen. Faury bezeichnete das neue Flugzeug als entscheidend, um die Marktführerschaft von Airbus zu verteidigen.
Für Boeing ist ein neues Schmalrumpfflugzeug strategisch von großer Bedeutung. Der Markt für große Verkehrsflugzeuge wird derzeit von Boeing und Airbus dominiert. Um künftige Aufträge gegen die konkurrierende A320-Familie von Airbus zu sichern, wird ein moderner Nachfolger der 737 MAX für Boeing langfristig unverzichtbar sein. Sollte Airbus seinen neuen Jet deutlich früher auf den Markt bringen, könnte dies den Wettbewerbsdruck auf Boeing erheblich erhöhen.
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Zur AktienanalyseBeide Unternehmen leiden seit der Covid-19-Pandemie unter Lieferengpässen und haben Schwierigkeiten, die starke Nachfrage der Kunden nach neuen Flugzeugen zu bedienen. In diesem Jahr hat sich die Stimmung der Anleger gegenüber Airbus eingetrübt, während Boeing unter Ortbergs Führung nach der jahrelangen Krise Fortschritte bei der Rückkehr in die Spur gemacht hat. Beide Unternehmen werden im Laufe dieses Monats ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegen.
Air Force One: Boeing erhöht Ressourcen
Neben dem zivilen Geschäft sprach Ortberg auch über das prestigeträchtige VC-25B-Programm – die nächste Generation der Air Force One. Boeing werde die Ausgaben erhöhen und zusätzliches Personal in den Bereichen Technik und Produktion einstellen, um die Auslieferung planmäßig im Jahr 2028 zu gewährleisten. Das Unternehmen werde in mehreren Schichten arbeiten, so der CEO. Das Projekt hatte bereits mehrere Verzögerungen erlitten und sollte ursprünglich bereits 2024 ausgeliefert werden.


