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Andy Burnham als Premier: Große Pläne, aber wer zahlt die Rechnung?

Großbritanniens neuer Premierminister Andy Burnham kündigt ambitionierte Reformen an – doch die Märkte reagieren bereits nervös auf seine Haushaltspläne.

Andy Burnham als Premier: Große Pläne, aber wer zahlt die Rechnung?

Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs – und steht sofort vor der härtesten Probe seiner politischen Karriere. Bisher hat er seine politischen Kursänderungen nur grob skizziert. Nun sieht er sich den Zwängen, Abwägungen und Realitäten eines hohen Staatsamtes gegenüber. Die entscheidende Frage lautet: Wie sollen all seine Versprechen finanziert werden?

Burnham hat erklärt, dass die am Dienstag angekündigten Maßnahmen zur Unterstützung bei den Lebenshaltungskosten gegenfinanziert seien. Das bedeutet im Klartext: Entweder müssen Steuern erhöht oder Ausgaben an anderer Stelle gekürzt werden. Welche Prioritäten der neue Premierminister setzt, wenn es hart auf hart kommt, wird sich damit recht schnell zeigen.

Die Finanzmärkte haben bereits reagiert. Die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihen stieg am Montag auf über 5%, nachdem sie in den letzten Tagen gefallen war. In anderen europäischen Volkswirtschaften war ein vergleichbarer Anstieg nicht zu verzeichnen. Die Bewegung war zwar nicht massiv, verdeutlicht aber die Sensibilitäten in einem Moment, in dem Burnham sein Kabinett umbildet.

Überraschende Wahl des Schatzkanzlers

Besonders auffällig ist die Ernennung von John Healey zum neuen Schatzkanzler – als Nachfolger von Rachel Reeves. Healey ist eigentlich als ehemaliger Verteidigungsminister bekannt, doch er verbrachte ein halbes Jahrzehnt im Finanzministerium von Gordon Brown. Dort sammelte er spezifische Kenntnisse aus der Ära der Dezentralisierungsversuche, etwa durch die Regional Development Agencies.

Downing Street No. 10 betont, dass Burnham und Healey „dieselbe Auffassung" teilen – hinsichtlich wirtschaftlicher Stabilität, Fiskalregeln, Reindustrialisierung, Dezentralisierung und der Unterstützung der Menschen in der Lebenshaltungskostenkrise. In seinen ersten Kommentaren als Schatzkanzler erklärte Healey, er werde „im Gleichschritt" mit dem neuen Premierminister arbeiten, „um die Fiskalregeln mit einem Puffer gegen Unsicherheiten zu erfüllen". Er gab zudem bekannt, bereits mit Andrew Bailey, dem Gouverneur der Bank of England, gesprochen zu haben.

Doch es gibt einen offensichtlichen Zielkonflikt: Healey trat im vergangenen Monat als Verteidigungsminister zurück – wegen der Finanzierung des Verteidigungshaushalts. Er forderte höhere Verteidigungsausgaben, während frühere Erhöhungen der Verteidigungsmittel durch Kürzungen bei heimischen Infrastrukturausgaben für Verkehr und Energieinvestitionen finanziert wurden. Wie er diese Aspekte als Schatzkanzler unter einen Hut bringen will, bleibt offen.

Steuerfreibeträge im Fokus

Ein zentrales innenpolitisches Thema ist das mögliche Aufheben des Einfrierens der Einkommensteuerfreibeträge. Burnhams Lager hat diese Idee ins Spiel gebracht, und einige große Gewerkschaften unterstützen sie. Je nach Inflationsrate würde dies mindestens 4 Milliarden Britische Pfund kosten.

Konkret geht es darum, den Grundfreibetrag von derzeit 12.570 Britischen Pfund auf 13.000 Britische Pfund und den Spitzensteuersatz-Schwellenwert von 50.271 Britischen Pfund auf 52.000 Britische Pfund anzuheben. Einige fordern sogar, die Freibeträge auf das Niveau zurückzuführen, auf dem sie lägen, wenn das Einfrieren im Jahr 2022 nicht eingeführt worden wäre – was deutlich teurer käme.

Das Vereinigte Königreich befindet sich derzeit in der Mitte eines neunjährigen Einfrierens der Freibeträge, das vom damaligen Schatzkanzler Rishi Sunak angekündigt wurde, um die für den Covid-Lockdown aufgenommenen Milliarden zurückzuzahlen. Rachel Reeves verlängerte das Einfrieren im letzten Haushalt bis 2030-31, wodurch jeder sechste Arbeitnehmer in die 40-Prozent-Steuerklasse rutscht. Betroffen sind Berufsgruppen wie Krankenschwestern, Hebammen, Sanitäter, Lehrer und Ingenieure.

Verteidigung, Wohnungsbau und Sozialwesen

Burnham hat angekündigt, noch in diesem Jahr einen 10-Jahres-Plan für das Land und die Wirtschaft zu veröffentlichen. Dieser soll seine weitergehenden Pläne zur Dezentralisierung und zum Wiederaufbau Großbritanniens detailliert beschreiben. Gleichzeitig möchte er einen Verteidigungsinvestitionsplan finanzieren – eine milliardenschwere, mehrjährige Ausgabenverpflichtung für das britische Militär.

Als erste Priorität nach dem Amtsantritt nannte Burnham einen nationalen Plan zur Beendigung der Obdachlosigkeit. Als erste Amtshandlung hat er Mittel aus dem Wohnungsbaubudget freigegeben, um das Problem anzugehen. Langfristig soll der massive Bau von Sozialwohnungen die Antwort sein – doch bis sich dies auswirkt, werden Jahre vergehen.

Beim Thema Sozialwesen erwartet Burnham Fortschritte bei dem, was er als „nachhaltige Reform" bezeichnet. Diese soll sich stark auf eine Überprüfung von Alan Milburn stützen, die erhebliche Mittel zur Arbeitsunterstützung und psychologische Hilfe für junge Arbeitnehmer empfehlen soll, um die Sozialausgaben zu senken. Die Umsetzung soll durch lokale Bürgermeister erfolgen, die wissen, was in ihren Regionen funktioniert.

Burnhams Dilemma ist damit klar umrissen: Er sieht sich denselben Einschränkungen durch das Wahlprogramm und die Kreditregeln gegenüber wie sein Vorgänger Sir Keir Starmer, möchte aber eindeutig mehr erreichen. Er sagt, seine Umgestaltung Großbritanniens werde der Wirtschaft zum Wachstum verhelfen – doch viele dieser Lösungen könnten Jahre dauern. Und der jüngste schnelle Wechsel von Premierministern und Schatzkanzlern zeigt: Selbst das Denken an einige Jahre im Voraus könnte sich wie ein Luxus anfühlen.

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