Xpeng will Tesla Model Y mit günstigerem L03 herausfordern
Der chinesische E-Auto-Hersteller Xpeng präsentiert in München seinen L03 – ein direkter Angriff auf Teslas meistverkauftes SUV.

Xpeng-Mitbegründer He Xiaopeng hat auf einer Fahrzeugvorstellung in München eine klare Kampfansage gemacht: China stehe kurz davor, ein Elektrofahrzeug zu entwickeln, das Teslas Model Y schlagen kann. „Ich glaube, wir sind nicht weit davon entfernt, das Model Y zu schlagen", sagte He. „Ich glaube fest daran." Damit rückt der von Volkswagen unterstützte chinesische Automobilhersteller seinen Expansionskurs in Europa in den Fokus.
Konkret stellte Xpeng am Donnerstag sein neues Elektro-SUV L03 vor. Das Modell startet bei einem Preis von 35.600 Euro und ist damit rund 4.400 Euro günstiger als das Tesla Model Y, das in Europa ab 39.990 Euro erhältlich ist. Besonders bemerkenswert: Der L03 ist das erste Xpeng-Modell, das gleichzeitig in China und Europa auf den Markt kommt – ein klares Signal für die globalen Ambitionen des Unternehmens.
Branchenexperten mit differenziertem Blick
Lei Xing, Gründer des chinesischen Beratungsunternehmens AutoXing, ordnet das neue Modell vorsichtig ein: „Der L03 hat das Potenzial, ein Blockbuster-Modell zu werden, was die Absatzzahlen betrifft, und sicherlich einer der Model-Y-Killer zu sein, aber nicht der entscheidende Killer." Diese Einschätzung zeigt, dass trotz des Preisvorteils der Kampf gegen das meistverkaufte Elektrofahrzeug der Welt kein leichtes Unterfangen ist.
Das Tesla Model Y bleibt sechs Jahre nach seiner Markteinführung in vielen Teilen der Welt das meistverkaufte Elektrofahrzeug und belegt in China den zweiten Platz. Trotz des starken Drucks durch BYD und andere chinesische Hersteller hat bisher kein einzelnes Elektromodell den globalen Automobilmarkt in ähnlicher Weise revolutioniert wie Musk mit dem Model Y.
Xpeng positioniert sich dabei nicht als reiner Volumenhersteller, sondern als technologieorientiertes Unternehmen. Der Konzern will mit fortschrittlicher Software und autonomer Technologie im europäischen Premiumsegment gegen Marken wie BMW und Mercedes-Benz antreten. Håkan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender von Volvo Cars, warnte in diesem Zusammenhang davor, das Premiumsegment als vor chinesischen Wettbewerbern „sicher" zu betrachten: „Sie werden wahrscheinlich viele technische Merkmale haben, von denen einige Premiumkunden beeindruckt sein werden." Samuelsson ordnete Xpeng dabei in dieselbe Kategorie wie BMW, Mercedes und Audi ein.
Autonomes Fahren und KI als Differenzierungsmerkmal
Ein zentrales Thema ist der Wettbewerb im Bereich autonomes Fahren. Xpeng plant, seine Vision-Language-Action-Software (VLA) der zweiten Generation ab 2027 in Europa zu veröffentlichen – sofern die behördliche Genehmigung vorliegt. Diese Software würde direkt mit Teslas Full-Self-Driving-System (FSD) konkurrieren. Tesla selbst bemüht sich derzeit um die Ausweitung der behördlichen Genehmigung für FSD in Europa, nachdem im April in den Niederlanden die erste Zulassung erteilt wurde.
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Zur AktienanalyseAnalysten sehen noch eine technologische Lücke zwischen Teslas FSD und Xpengs VLA. Xianming Liu, KI-Chef von Xpeng, entgegnete jedoch, es sei „sehr schwer zu sagen, wer besser oder wer schlechter ist." He Xiaopeng selbst zeigte sich überzeugt von der Zukunft des autonomen Fahrens: „Wenn [meine Kinder] erwachsen sind, glaube ich nicht, dass sie noch einen Führerschein brauchen werden."
Darüber hinaus setzt Xpeng auf weitere Zukunftstechnologien: Das Unternehmen entwickelt fliegende Autos und humanoide Roboter, die künftig ebenfalls nach Europa gebracht werden sollen. Die selbst entwickelten Turing-KI-Chips kommen bereits in neuen VW-Modellen in China zum Einsatz. Zudem führt Xpeng Gespräche mit VW und anderen Automobilherstellern über einen zweiten Produktionsstandort in Europa – He deutete an, dass dieser voraussichtlich in Deutschland entstehen soll. He ergänzte außerdem, dass das Unternehmen anstrebe, seine Software für intelligentes Fahren an andere Automobilhersteller zu lizenzieren.


