Warren Buffett enthüllt: Er initiierte Berkshires milliardenschweres Alphabet-Investment
Im CNBC-Interview überraschte Buffett mit zwei großen Enthüllungen: dem Alphabet-Deal und dem Ende seiner Gates-Foundation-Spenden.

Warren Buffett hat in einem fast einstündigen Interview mit CNBC-Moderatorin Becky Quick zwei überraschende Enthüllungen gemacht. Erstens: Er selbst hat Berkshire Hathaways inzwischen rund 30 Milliarden Dollar schwere Position in Alphabet, der Google-Muttergesellschaft, initiiert – und nicht, wie viele angenommen hatten, der neue CEO Greg Abel. Zweitens: Seine Entscheidung, künftige Spenden an die Gates Foundation einzustellen, hat weniger mit Bill Gates' Verbindungen zu Jeffrey Epstein zu tun als vielmehr mit dem gewachsenen Vertrauen in seine eigenen Kinder.
Das Interview fand an demselben Tag statt, an dem Buffett öffentlich bekannt gab, die Gates Foundation von weiteren Zuwendungen auszuschließen. In den vergangenen 20 Jahren hatte er der Stiftung Berkshire-Aktien im Wert von fast 48 Milliarden Dollar (zum Zeitpunkt der Schenkung) zukommen lassen. Parallel dazu spendete er fast 18 Milliarden Dollar an die vier Familienstiftungen seiner Kinder.
Epstein-Verbindungen „unappetitlich", aber kein Hauptgrund
Buffett bezeichnete Gates' Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zwar als „unappetitlich", betonte jedoch, dass dies nicht der ausschlaggebende Grund für seinen Rückzug aus der Gates Foundation sei. Vielmehr hätten seine drei Kinder in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie in der Lage seien, „enorme Geldsummen" verantwortungsvoll zu spenden – ohne riesige Gebäude zu errichten oder Konferenzen „an esoterischen Orten" abzuhalten. Dieses Vertrauen habe er im Jahr 2006, als er mit den Spenden an die Gates Foundation begann, noch nicht gehabt.
Zu Gates' Verhalten sagte Buffett: „Es ist zwar unappetitlich, und er hat Fehler gemacht, aber ich habe auch Fehler gemacht, indem ich alle möglichen Leute eingestellt oder Freunde ausgewählt habe, um später festzustellen, dass sie nicht das waren, was ich dachte." Er habe „sehr viel" über die Angelegenheit gelesen, darunter Gates' Aussage vor dem US-Kongress im vergangenen Monat. Buffett berichtete zudem, dass Gates zuletzt nach Omaha gereist sei und die beiden „drei Stunden lang miteinander gesprochen" hätten. Gates sei mit der Entscheidung, die Spenden einzustellen, „einverstanden".
Bill Gates selbst ließ über einen Sprecher mitteilen: „Warren ist einer der größten Philanthropen aller Zeiten und ein lieber Freund." Gates schreibt Buffetts „beispielloser Unterstützung" zu, geholfen zu haben, Millionen von Leben zu retten.
Buffett initiierte das Alphabet-Investment selbst
Die wohl größte Überraschung des Interviews war Buffetts Bekenntnis zum Alphabet-Investment. Berkshire Hathaway hatte im dritten Quartal des Vorjahres zunächst Aktien im Wert von rund 4,3 Milliarden Dollar erworben, im ersten Quartal des laufenden Jahres weitere 11,5 Milliarden Dollar nachgelegt und anschließend nochmals rund 10 Milliarden Dollar direkt vom Unternehmen im Rahmen eines größeren Finanzierungsplans für dessen KI-Ambitionen investiert. Die Gesamtposition beläuft sich damit auf rund 30 Milliarden Dollar.
Viele Beobachter hatten angenommen, dass dieses ungewöhnlich große Tech-Investment – Buffett meidet Technologieaktien traditionell fast vollständig – die erste große Investitionsentscheidung des neuen Berkshire-CEO Greg Abel sei. Buffett stellte das klar: „Ich habe es initiiert." Er ergänzte, dass er und Abel ständig miteinander kommunizieren und beide gegenseitig ihre Entscheidungen absegnen, Abel aber letztlich „der Entscheider" sei.
Trotz seiner positiven Einschätzung von Alphabet räumte Buffett ein, dass er die Aktie „nicht so sehr mag wie mindestens vier oder fünf andere Unternehmen", die Berkshire besitzt. Dennoch glaubt er, dass Alphabet „basierend auf ihrer Historie eher zu den Gewinnern gehören" werde als rund 90 bis 95 Prozent dessen, was an der Wall Street vermarktet wird. Buffett wiederholte zudem sein Eingeständnis, einen „Fehler" gemacht zu haben, indem er Alphabet nicht früher ins Portfolio aufgenommen habe – bereits 2017 hatte er in einem CNBC-Interview zugegeben, das Gewinnpotenzial von Google hätte erkennen müssen, da Berkshires Versicherungstochter GEICO viel Werbung bei dem Unternehmen geschaltet hatte.
Beschleunigtes Tempo bei Aktienspenden
Gleichzeitig mit der Neuausrichtung seiner Philanthropie beschleunigt Buffett das Tempo seiner Schenkungen erheblich. Künftig will er jedes Jahr mehr Aktien verschenken, um „alle seine Berkshire-Aktien innerhalb von etwa acht Jahren zu veräußern". Als Grund nannte er unter anderem, dass seine Kinder, die über die Verwendung des Geldes entscheiden werden, „leider älter werden". Die Berkshire-Aktie fiel zunächst nach der Nachricht, erholte sich jedoch und beendete die Woche leicht im Minus.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseBarron's schätzt zudem, dass Berkshire im zweiten Quartal eigene Aktien im Wert von 5 bis 11 Milliarden Dollar zurückgekauft hat – eine deutliche Rückkehr zu Aktienrückkäufen nach einer längeren Pause. Die genauen Zahlen werden mit den Quartalsergebnissen Anfang nächsten Monats erwartet.
Weitere Themen: Apple, Fed und Marktspekulation
Zu weiteren Themen äußerte sich Buffett ebenfalls: Den angekündigten Rücktritt von Apple-CEO Tim Cook bedauert er, bleibt der Aktie – Berkshires größter Position mit rund 76 Milliarden Dollar – aber weiterhin positiv gegenüber eingestellt. Kevin Warsh hält er für eine „gute Wahl" als neuen Fed-Vorsitzenden und glaubt, dieser werde „sein Bestes geben", um das Ziel von 2 Prozent Inflation und maximaler Beschäftigung zu erreichen.
Buffett warnte erneut vor übermäßiger Spekulation an den Finanzmärkten: „Es ist schwierig, Werte zu finden, wenn jeder das Glücksspiel bevorzugt." Da Menschen das Glücksspiel so sehr liebten, lasse sich mit der „Kultivierung von Spielern tatsächlich mehr Geld verdienen als mit der Kultivierung von Investoren." Am Rande des Interviews erwähnte Buffett auch, dass er sich vor einigen Wochen ein Bein gebrochen habe – seinen ersten Beinbruch überhaupt.


