US-Großbanken übertreffen Erwartungen: Rekordgewinne und KI-Revolution
JPMorgan, Bank of America, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup übertrafen allesamt die Wall-Street-Prognosen mit starken Quartalsergebnissen.

Die US-amerikanischen Großbanken haben die jüngste Berichtssaison mit beeindruckenden Ergebnissen eröffnet. JPMorgan Chase, Bank of America, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup übertrafen sämtlich die Erwartungen der Wall Street. Trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten und schwankender Energiepreise zeigten sich Bankmanager zuversichtlich über die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft und die transformative Kraft der Künstlichen Intelligenz.
Bank of America-Chef Brian Moynihan bezeichnete das Quartal als eines der „stärksten in der Geschichte des Unternehmens". Jedes Geschäftssegment erzielte zweistelliges Nettowachstum und starke Eigenkapitalrenditen. CFO Alastair Borthwick ergänzte, dass die Kundenguthaben mit 4,9 Billionen US-Dollar einen Rekordwert erreichten – ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kostendisziplin des Hauses ermöglichte dabei eine Ausweitung der Vorsteuermarge auf über 27 Prozent.
KI verändert das Bankgeschäft grundlegend
JPMorgan-Chef Jamie Dimon rückte die aggressive KI-Integration seines Hauses in den Mittelpunkt. Die Bank betreibt bereits knapp tausend aktive KI-Anwendungsfälle – von der Betrugserkennung über Absicherungsstrategien bis hin zur Dokumentenanalyse und Ideengenerierung. Dimon enthüllte, dass KI es der Bank bereits ermöglicht hat, den Personalbestand in bestimmten Bereichen um 30 bis 40 Prozent zu reduzieren, wobei die meisten betroffenen Mitarbeiter intern versetzt wurden. Die Wirkung der Technologie stehe dabei laut Dimon erst „ganz am Anfang".
Trotz der Rekordergebnisse mahnte Dimon zur Vorsicht: „Es nähert sich dem Besten, was möglich ist", sagte er mit Blick auf das aktuelle Umfeld aus hohen Volumina und Preisen. Wie lange dieser Zustand anhalte, sei ungewiss.
Das Investmentbanking entwickelte sich zum herausragenden Wachstumstreiber der Branche. Goldman Sachs meldete einen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren um 55 Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar, getragen von einer Erholung bei Börsengängen (IPOs) und Anleiheemissionen. CEO David Solomon verwies darauf, dass der Auftragsbestand des Unternehmens auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren liege. JPMorgan verzeichnete einen Anstieg der Investmentbanking-Gebühren um 30 Prozent, Bank of America sogar um 50 Prozent. Analysten beobachten diese Entwicklung genau, um zu beurteilen, ob die Erholung der Kapitalmärkte nachhaltig ist.
Citigroup mit bestem Quartalsumsatz seit einem Jahrzehnt
Citigroup meldete den besten Quartalsumsatz seit zehn Jahren. Der Nettogewinn stieg auf 5,8 Milliarden US-Dollar, nach 4 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. CEO Jane Fraser kündigte an, dass die starke Ertragskraft eine Dividendenerhöhung um 12 Prozent sowie ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 30 Milliarden US-Dollar ermögliche. Wells Fargo CFO Mike Santomassimo betonte unterdessen, dass die Verbrauchertrends trotz anhaltender Inflations- und Zinsrisiken bislang keine wesentliche Verschlechterung zeigten.
Makroökonomische Risiken bleiben dennoch präsent. Der Energiesektor erlebte erhebliche Volatilität, nachdem Berichte über eine mögliche US-Blockade iranischer Häfen und einen 20-prozentigen Zoll auf Frachttransporte durch die Straße von Hormus kursierten. Der Brent-Rohölpreis verzeichnete daraufhin den größten Tagesanstieg seit 2020. JPMorgans Anleihehandel spürte leichten Gegenwind durch die Turbulenzen an den Rohstoffmärkten, doch CFO Jeremy Barnum betonte, dass die Weltwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber höheren Energiekosten sei als von vielen Analysten erwartet.
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Zur AktienanalyseNachfolgeplanung bei JPMorgan im Fokus
Auch die Nachfolgeplanung bei JPMorgan rückte ins Rampenlicht, nachdem die langjährige Führungskraft Marianne Lake das Unternehmen überraschend verlassen hatte. Dimon erläuterte, dass die Entscheidung des Vorstands, mit Doug Petno und Troy Rohrbaugh zwei Co-Präsidenten zu ernennen, eine strategische Maßnahme zur Führungsvorbereitung sei. Seinen eigenen Ruhestandsplan bezeichnete Dimon als unverändert und hob hervor, dass die Bank mit vielen hervorragenden Kulturträgern gesegnet sei.
Mit Blick auf die kommenden Wochen beobachten Investoren die anstehenden US-Verbraucherpreisdaten (CPI) sowie die Aussagen von US-Notenbankchef Kevin Warsh. Während der Bankensektor derzeit von einem euphorischen Marktumfeld profitiert, bleiben die Führungsetagen wachsam gegenüber möglichen Inflationsrisiken und einer strafferen Geldpolitik, die die Gesamtwirtschaft belasten könnten.


