Ukraine greift Wildberries-Lager in Russland an – acht Tote
Ukrainische Drohnen treffen Logistikzentren des größten russischen Online-Händlers tief im Landesinneren – mit tödlichen Folgen.

Ukrainische Drohnen haben Lagerhäuser des russischen Online-Händlers Wildberries in den Regionen Moskau und Tambow angegriffen. Dabei wurden mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Einrichtungen liegen 300 bis 450 Meilen tief im russischen Staatsgebiet – weit entfernt von der Frontlinie.
Großbrände zwangen die Mitarbeiter zur Evakuierung der Lagerkomplexe. Wildberries ist Russlands größter Online-Händler und wird häufig mit dem US-Konzern Amazon verglichen. Das nicht börsennotierte Unternehmen wickelt jede Woche landesweit Millionen von Lieferungen ab und wurde im Jahr 2004 gegründet.
Selenskyj: Lager unterstützten russisches Militär
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begründete die Angriffe mit militärischen Vorwürfen. Er erklärte, die betroffenen Lagerhäuser hätten das russische Militär unterstützt, indem sie sanktionierte Komponenten für Drohnen und Navigationsgeräte verteilten. Wildberries reagierte nicht auf diese Vorwürfe.
Gründerin Tatiana Kim bezeichnete die Angriffe als „schreckliche Ereignisse" für das Unternehmen und Russland. Das Unternehmen teilte mit, dass die Lieferketten nur minimale Unterbrechungen erfahren hätten und die Kunden weiterhin Zugang zu den Produkten hätten. Wildberries kündigte Zahlungen von zwei Millionen Rubel – umgerechnet rund 25.000 US-Dollar – an die Familien der Getöteten an. Verletzte sollen eine Million Rubel erhalten.
Das persönliche Vermögen von Gründerin Tatiana Kim wird von Forbes auf mehr als acht Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit zählt sie zu den reichsten Unternehmerinnen Russlands.
Russland antwortet mit schwerem Raketenangriff auf Kiew
Russland reagierte Stunden nach den Drohnenangriffen mit einem Sperrfeuer von rund 50 ballistischen Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. Dies war einer der schwersten Raketenangriffe auf Kiew seit Kriegsbeginn. Die ukrainische Luftabwehr fing nach Berichten von Anwohnern mehrere Raketen ab.
Mindestens eine Person wurde bei dem Angriff auf Kiew getötet, zwei weitere verletzt. Wohngebäude, ein Supermarkt, ein Lagerhaus und Dutzende Fahrzeuge wurden beschädigt. Mehrere Geschosse schlugen im Kiewer Stadtteil Lukjaniwka ein, in dem sich militärnahe Industrieanlagen befinden. Auch eine U-Bahn-Station, die von Zivilisten als Luftschutzbunker genutzt wird, wurde beschädigt.
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Zur AktienanalyseStrategiewechsel in der ukrainischen Kriegsführung
Die Angriffe auf die Wildberries-Lagerhäuser markieren einen Strategiewechsel Kiews. Bislang konzentrierte sich die Ukraine bei Angriffen auf russisches Territorium vor allem auf Raffinerien und andere Energieanlagen. Nun weitet Kiew seine Luftangriffe gezielt auf zivile Logistikinfrastruktur aus, die nach ukrainischer Darstellung militärischen Zwecken dient.
Kiew argumentiert, dass Angriffe tief im russischen Hinterland die militärischen Lieferketten stören und die innenpolitischen Kosten des Konflikts für die russische Bevölkerung sichtbar machen sollen. Ob die Vorwürfe gegen Wildberries einer unabhängigen Überprüfung standhalten, ist bislang unklar – das Unternehmen selbst hat die Anschuldigungen weder bestätigt noch dementiert.


