TSMC investiert 265 Milliarden Dollar in Arizona und sieht starke KI-Nachfrage
Der weltgrößte Chipfertiger verzeichnet mehrjährige strukturelle Nachfrage nach KI-Chips und baut seine US-Präsenz massiv aus.

TSMC, der weltweit wichtigste Hersteller fortschrittlicher Halbleiter, rechnet mit einer anhaltend starken Nachfrage nach KI-Chips. Finanzvorstand Wendell Huang sprach nach den Rekordergebnissen des zweiten Quartals von einer „mehrjährigen strukturellen Nachfrage" seitens der Kunden. Das Unternehmen stockt seine Investitionen in Arizona auf insgesamt 265 Milliarden Dollar auf – ein Zuwachs von weiteren 100 Milliarden Dollar.
Huang zeigte sich „sehr zufrieden" mit den Fortschritten in Arizona und nannte dies als ausschlaggebenden Grund für die Investitionsentscheidung. „Wir werden weiterhin investieren", sagte er und betonte die Dankbarkeit gegenüber der US-Regierung für deren Unterstützung. „Wir sehen weiterhin eine starke Nachfrage der Kunden – eine mehrjährige strukturelle Nachfrage."
Ausbau in Arizona: Bis zu zwölf Anlagen geplant
Die erste Fertigungsanlage – auch Fab genannt – ist bereits in Betrieb und erzielt laut Huang Ausbeuten, die „ebenso gut" seien wie jene der Flaggschiff-Fabrik in Taiwan. In der zweiten Fab beginnt demnächst die Installation der Ausrüstung, während der Bau einer dritten Fab bereits läuft. Vorarbeiten für eine vierte Fab sowie für die erste Anlage für fortschrittliches Packaging am Standort haben ebenfalls begonnen.
Insgesamt sollen die aktuellen und geplanten Projekte die Präsenz von TSMC in Arizona auf zwölf Fertigungs- und Packaging-Anlagen sowie ein Forschungs- und Entwicklungszentrum erweitern. Einen konkreten Zeitplan für die jüngsten Investitionen nannte Huang jedoch nicht. Er verwies auf „physische Einschränkungen – die Anzahl der verfügbaren Bauarbeiter und die vorhandene Infrastruktur". Man werde eng mit der Regierung zusammenarbeiten, um diese Probleme zu lösen.
Die Expansion ist ein politischer Erfolg für US-Präsident Donald Trump, der sich vehement für mehr Chip-Produktion im eigenen Land eingesetzt hat. Trump hatte Taiwan wiederholt vorgeworfen, das amerikanische Halbleitergeschäft gestohlen zu haben, und erklärt, die USA würden bis zum Ende seiner Amtszeit über 50 Prozent der weltweiten Halbleiter-Fertigungskapazitäten verfügen.
Taiwan bleibt Heimat der modernsten Technologien
Parallel zur US-Expansion investiert TSMC weiterhin im Heimatmarkt Taiwan, wo das Unternehmen in den nächsten Jahren 13 hochmoderne Fabriken und Packaging-Anlagen errichtet. Huang begründete dies mit der engen Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion: „Wenn man die modernsten Technologien hochfährt, benötigt man eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen der Forschung und Entwicklung und dem operativen Betrieb. Das muss in Taiwan geschehen." Erst nach einer Stabilisierung komme ein Transfer ins Ausland in Betracht.
Land sei in Taiwan eine knappe Ressource, so Huang. Deshalb würden verfügbare Flächen stets für die modernsten Technologien genutzt. Auf die Frage nach einer möglichen Kapitalerhöhung durch den Verkauf neuer Aktien in den USA schloss Huang die Emission neuer Anleihen nicht aus, sofern die Marktbedingungen günstig seien.
Exportkontrolle und geopolitische Risiken
Trotz der ambitionierten Wachstumspläne sieht sich TSMC mit erheblichem geopolitischen Gegenwind konfrontiert. Die USA versuchen, den Export fortschrittlicher Chips nach China zu kontrollieren. Reuters hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass TSMC eine Strafe von einer Milliarde Dollar oder mehr drohen könnte, um eine US-Untersuchung wegen Exportkontrollen beizulegen – ausgelöst durch einen TSMC-Chip, der in einem KI-Prozessor von Huawei auftauchte.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseHuang verwies Fragen zum Status des Falls an die US-Regierung, betonte jedoch, dass das interne Exportkontrollsystem ständig überprüft werde. „Ab einem gewissen Punkt verliert man die Sichtbarkeit. Das ist die Realität", sagte er mit Blick auf Lieferketten, in denen Kunden an Kunden weiterverkaufen.
Aktie trotz Rekordergebnissen unter Druck
An den Märkten kamen die Ergebnisse gemischt an. Die in Taipeh notierten TSMC-Aktien fielen am Freitag trotz der Rekordergebnisse um 7,3 Prozent. Hintergrund sind erneut aufgekommene Sorgen unter Investoren über die Nachhaltigkeit des KI-Booms angesichts massiver Infrastrukturausgaben. Auf Jahressicht liegen die Aktien dennoch fast 50 Prozent im Plus.
Als bedeutender Zulieferer von Nvidia gilt TSMC als Gradmesser für die gesamte globale Halbleiterindustrie. Wettbewerber wie Samsung Electronics und Intel versuchen, den Abstand zum Marktführer zu verringern. Huang zeigte sich davon unbeeindruckt: „Wir haben nicht die Absicht, dem Wettbewerb etwas zu überlassen. Unsere Konkurrenten sind gut, aber wir sind noch besser."


