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Tech-Crash zieht DAX auf 24.831 Punkte – KI-Aktien unter Druck

Tech-Crash zieht DAX auf 24.831 Punkte – KI-Aktien unter Druck

Chinesische KI-Konkurrenz, gehebelte Investments auf dem Rückzug und steigende US-Importpreise: Die globalen Aktienmärkte standen zum Wochenschluss unter erheblichem Druck. Der DAX schloss den letzten Handelstag der Woche mit einem Minus von 0,34 Prozent bei 24.831 Punkten. Damit hat der deutsche Leitindex seit seinem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang der Vorwoche bereits rund vier Prozent eingebüßt.

Als wesentlichen Treiber der Korrektur nennt Marktexperte Stephen Innes neben klassischen Gewinnmitnahmen auch den Abbau gehebelter Anlagepositionen in KI-Aktien. Anleger, die auf Pump in Technologietitel investiert hatten, sehen sich nun zu Verkäufen gezwungen – ein Prozess, der laut Innes noch einige Zeit andauern könnte.

Besonders hart traf es Halbleiter- und KI-nahe Werte. Im DAX verlor Infineon spürbar an Boden. Im MDAX zählten der Waferhersteller Siltronic sowie die Chipausrüster Aixtron und Suss Microtec zu den größten Verlierern mit Kursabschlägen von bis zu fünf Prozent. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank warnt vor einem Ansteckungseffekt: Je stärker Technologiewerte fallen, desto größer werde der Druck, Verluste durch den Verkauf anderer, eigentlich unbeteiligter Aktien auszugleichen.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte das chinesische KI-Startup hinter dem neuen Modell Kimi K3, das laut eigenen Angaben Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic mindestens ebenbürtig sein soll. Die Nachricht befeuerte Zweifel an der Frage, ob die milliardenschweren KI-Investitionen westlicher Konzerne tatsächlich die erhofften Renditen abwerfen werden. In Asien verloren KI-Unternehmen daraufhin zeitweise deutlich an Wert.

Auch an der Wall Street stand der Technologiesektor unter Verkaufsdruck. Nvidia-Aktien brachen zu Handelsbeginn um mehr als vier Prozent ein, wodurch die Marktkapitalisierung des Chipriesen auf rund 4,84 Billionen Dollar sank. Zeitweise überholte Apple Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt – ein kurzer Führungswechsel, der die Nervosität der Märkte eindrucksvoll illustrierte. Im späteren Handelsverlauf reduzierte sich das Nvidia-Minus etwas, und der Chipkonzern übernahm wieder knapp die Spitzenposition.

Zusätzlich belastet wurden die US-Märkte durch neue Inflationsdaten: Die US-Importpreise stiegen im Juni überraschend um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich legten sie sogar um 7,1 Prozent zu – der stärkste Anstieg seit August 2022. Das weckt Sorgen, dass die US-Notenbank Fed ihren Zinssenkungskurs bremsen könnte. Etwas Entlastung bietet die Verbraucherpreisinflation, die im Juni auf 3,5 Prozent zurückgegangen ist.

Am Rohstoffmarkt trieben die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten die Ölpreise auf den stärksten Wochengewinn seit drei Monaten. Neue US-Angriffe auf iranische Ziele schürten Befürchtungen um die Ölversorgung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 2,9 Prozent auf 86,65 Dollar je Barrel, US-Öl WTI legte 3,0 Prozent auf 80,64 Dollar zu. Auf Wochensicht steuern beide Sorten auf ein Plus von mehr als 13 Prozent zu.

Die geopolitischen Spannungen hinterlassen auch in der deutschen Reisebranche Spuren: Das ifo-Geschäftsklima für Reisebüros und Reiseveranstalter fiel im Juni auf minus 32,0 Punkte, nach minus 30,3 Zählern im Mai. ifo-Experte Patrick Höppner erklärt, viele Reisende seien besonders zu Beginn des Iran-Konflikts bei ihren Urlaubsplänen verunsichert gewesen.

Erfreulichere Nachrichten kommen aus der deutschen Industrie: Der Auftragsbestand wuchs im Mai um 1,7 Prozent zum Vormonat – der stärkste Anstieg seit September 2021. Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.

Im Bankensektor rückt eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit näher. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg bereitet die Bundesregierung bereits wesentliche Forderungen für mögliche Gespräche vor. UniCredit hat sich bereits fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert, während der Bund noch 12,11 Prozent hält. Rückenwind kommt aus Brüssel: Die EU-Kommission will grenzüberschreitende Bankgeschäfte erleichtern und kritisiert explizit nationale Eingriffe bei Bankfusionen.

In den USA lehnte PayPal das 53 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot von Stripe und Finanzinvestor Advent als zu niedrig ab. Der Verwaltungsrat hält das Angebot von 60,50 Dollar je Aktie für eine Unterschätzung des Unternehmenswertes.

Netflix überzeugte trotz Anlegersorgen mit deutlich gesteigertem Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal. Allerdings kündigte der Streamingriese an, Daten zur Beliebtheit seiner Inhalte künftig nur noch einmal jährlich statt halbjährlich zu veröffentlichen. Die Aktie reagierte mit einem Minus von mehr als sieben Prozent zum Handelsstart.

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