Passives Investieren: Sabotieren Indexfonds die aktiven Fondsmanager?
Hedgefonds-Manager David Einhorn sieht die Märkte als „fundamental kaputt" – schuld soll das passive Investieren sein.

Indexfonds und ETFs, die große Indizes wie den S&P 500 abbilden, sind längst zum bevorzugten Anlageinstrument von Millionen Privatanlegern geworden. Doch genau diese Entwicklung bringt aktive Fondsmanager zunehmend in Bedrängnis – und liefert ihnen gleichzeitig eine neue Erklärung für ihre schwache Performance.
Der bekannte Hedgefonds-Manager David Einhorn sorgte bereits vor zwei Jahren mit einer provokanten These für Aufsehen: Er bezeichnete die Märkte als „fundamental kaputt". Sein Argument ist dabei so einfach wie grundlegend: Regelmäßig fließen Gelder direkt von den Gehaltsabrechnungen der Arbeitnehmer in Indexfonds, die den S&P 500 abbilden – und kaufen Aktien nicht aufgrund ihres inneren Wertes, sondern ausschließlich basierend auf ihrer Gewichtung im Index.
Das Problem mit dem passiven Kapital
Das Kernproblem, das Einhorn und andere Kritiker beschreiben, ist ein strukturelles: Je mehr Kapital passiv investiert wird, desto weniger Menschen analysieren aktiv, ob ein Unternehmen seinen Börsenwert tatsächlich verdient. „Sie werden davon ausgehen, dass alle anderen die Arbeit bereits erledigt haben", sagte Einhorn. Mit anderen Worten: Passive Anleger vertrauen darauf, dass der Marktpreis einer Aktie korrekt ist – ohne selbst oder durch aktive Manager zu prüfen, ob das stimmt.
Dabei ist die Logik hinter dem Erfolg von Indexfonds zunächst bestechend: Sie sind deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Nach Abzug der Verwaltungskosten übertreffen sie deshalb die Mehrheit der aktiven Fonds. Für den Privatanleger ist das ein starkes Argument – und erklärt den anhaltenden Boom passiver Anlageprodukte weltweit.
Doch laut Einhorn und Gleichgesinnten entsteht dadurch ein Teufelskreis: Je mehr Kapital passiv in Indexfonds fließt, desto mehr werden die Bewertungen großer Unternehmen durch das schiere Gewicht dieses Kapitals nach oben getrieben – und nicht durch fundamentale Unternehmensanalyse. Die Käufer dieser Fonds seien sich dessen nicht bewusst, so die Kritik.
Marktumfeld bleibt angespannt
Dieser Grundsatzdebatte steht ein turbulentes Marktumfeld gegenüber. Die Ölpreise erreichten zuletzt ihren höchsten Stand seit Anfang Juni, wobei die globale Referenzsorte Brent kurzzeitig über 90 US-Dollar pro Barrel stieg, bevor sie wieder nachgab. Nervosität aufgrund von Kämpfen im Nahen Osten und ein schwankender KI-Handel hatten die vergangene Woche geprägt.
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Zur AktienanalyseFür die neue Woche deuten Futures jedoch auf einen starken Start der US-Aktienmärkte hin. Anleger erwartet zudem eine intensive Berichtssaison: Quartalsergebnisse von Tesla, Intel, American Express, Verizon und der Google-Muttergesellschaft Alphabet stehen auf dem Programm und dürften reichlich Gesprächsstoff liefern.
Die Debatte um passives versus aktives Investieren ist damit mehr als eine akademische Diskussion. Sie berührt eine zentrale Frage der modernen Kapitalmärkte: Wer sorgt eigentlich noch dafür, dass Aktienkurse die wirtschaftliche Realität widerspiegeln – wenn immer weniger Marktteilnehmer diese Realität überhaupt noch analysieren?


