Meta verteidigt WhatsApp-Benutzernamen gegen indische Cybersicherheitsbedenken
Nach Warnungen der indischen Regierung vor Betrugsrisiken erklärt Meta die neue WhatsApp-Funktion für sicher.

Meta Platforms hat die geplante Einführung von Benutzernamen auf WhatsApp verteidigt, nachdem die indische Regierung ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit geäußert hat. „Nutzer benötigen weiterhin eine Telefonnummer, um WhatsApp zu verwenden, und wir haben mehrere Schutzebenen gegen Betrug in die Benutzernamen integriert", erklärte ein Meta-Sprecher gegenüber CNBC. Neu Delhi hat dem Konzern eine Frist von drei Tagen gesetzt, um eine detaillierte Erläuterung der Funktion vorzulegen – andernfalls drohen Maßnahmen nach den indischen Informationstechnologie-Vorschriften.
WhatsApp hatte die Benutzernamen-Funktion am Montag vorgestellt und als „wichtige Datenschutzfunktion" bezeichnet. Sie soll es Menschen ermöglichen, miteinander in Kontakt zu bleiben, ohne ihre Telefonnummern preiszugeben. Die Funktion ist laut Meta noch nicht live und werde „im Laufe des Jahres langsam" eingeführt.
Indiens Bedenken: Phishing, Identitätsdiebstahl und „Digital Arrest"-Betrug
Die indische Regierung warnte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANI, dass die Benutzernamen-Funktion „die Häufigkeit von Online-Betrug, Phishing, ‚Digital Arrest'-Betrug und Identitätsdiebstahl erheblich erhöhen könnte". Böswillige Akteure könnten die Funktion nutzen, um Opfer gezielt anzuwerben und zu kontaktieren. WhatsApp wurde angewiesen, die Einführung der Funktion zu pausieren, bis die Bedenken der Regierung ausgeräumt sind.
Der Hintergrund ist ernst: Nach Angaben der indischen Regierung haben sich die Fälle von Cyberkriminalität im Jahr 2024 mit fast 2,3 Millionen Fällen gegenüber 1 Million Fällen im Jahr 2022 mehr als verdoppelt. Metas eigener „Adversarial Threat"-Bericht vom März ergab zudem, dass Online-Betrugssyndikate Nutzer in Indien häufiger ins Visier nahmen als in jedem anderen Land außer den USA.
Indien zählt mehr als eine halbe Milliarde WhatsApp-Nutzer – eine Reichweite, die das Unternehmen besonders anfällig für staatliche Kontrollen macht. Neil Shah, Vizepräsident für Forschung bei Counterpoint Research, warnte, dass sich „Fehlinformationen noch schneller verbreiten könnten" und Betrüger bekannte Namen und Fotos nutzen könnten, um sich als andere Personen auszugeben.
Metas Schutzmaßnahmen im Detail
Meta hat konkrete technische Gegenmaßnahmen angekündigt, um die Sicherheitsbedenken zu adressieren:
- Begrenzung der Anzahl neuer Kontakte, die ein Konto anschreiben kann
- Blockierung wiederholter Versuche, Benutzernamen zu erraten
- Aktivierung von Systemen zur Erkennung typischer Muster von Identitätsdiebstahl oder Missbrauch
- Reservierung bekannter Namen, die nur von ihren rechtmäßigen Eigentümern beansprucht werden können
- Zurückhalten ähnlicher Ableitungen bekannter Namen zum Schutz vor Identitätsdiebstahl
Reema Bhattacharya, Leiterin der Asien-Forschung bei Verisk Maplecroft, erklärte gegenüber CNBC, dass der „starke Anstieg der computergestützten Finanzkriminalität den Schwerpunkt zweifellos in Richtung Sicherheit verschoben" habe. Gleichzeitig betonte sie, wie schwierig es sei, „die Grenze zwischen legitimer Regulierung und Maßnahmen zu ziehen, die Innovationen entmutigen oder den Datenschutz der Nutzer schwächen könnten."
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Zur AktienanalyseKein Einzelfall: Indien hatte auch Telegram vorübergehend verboten
Die staatliche Überprüfung der WhatsApp-Funktion erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Indien Telegram vorübergehend verboten hatte. Die Regierung begründete den Schritt damit, dass die Plattform mehrere Kanäle gehostet habe, die fälschlicherweise behaupteten, Prüfungsunterlagen für einen wichtigen nationalen Test geleakt zu haben, und dann von Kandidaten und deren Familien Geld für den Zugang verlangten. Telegram widersprach und erklärte, der Schritt bestrafe „150 Millionen gewöhnliche Nutzer der App" in Indien, nicht die eigentlichen Urheber des Betrugs.
Regierungen weltweit erwarteten zunehmend, dass digitale Plattformen die Verantwortung für die Schadensbegrenzung teilen, so Bhattacharya. Für Meta steht in Indien besonders viel auf dem Spiel: Der Subkontinent ist einer der größten und strategisch wichtigsten Märkte für WhatsApp weltweit.


