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Lacy Hunt gibt Anleihen-Optimismus auf: Inflation und Renditen steigen

Nach über drei Jahrzehnten als Anleihen-Bulle vollzieht Hoisington-Chefökonom Lacy Hunt eine überraschende Kehrtwende bei US-Staatsanleihen.

Lacy Hunt gibt Anleihen-Optimismus auf: Inflation und Renditen steigen

Lacy Hunt, Chefökonom von Hoisington Investment Management, hat seine langjährige optimistische Haltung gegenüber Anleihen aufgegeben. Mehr als drei Jahrzehnte lang galt Hunt als einer der überzeugendsten Verfechter von Anleihen-Investments – doch nun hat sich seine Einschätzung grundlegend geändert. Deglobalisierung, übermäßige Staatsverschuldung und Kapitalknappheit treiben die Inflationserwartungen in die Höhe und belasten US-Staatsanleihen erheblich.

Hoisington Investment Management verwaltet ein Vermögen von 120 Milliarden US-Dollar und gehört damit zu den bedeutenden Akteuren am amerikanischen Rentenmarkt. Die Kehrtwende des Hauses ist daher weit mehr als ein Signal eines einzelnen Analysten – sie markiert eine fundamentale Neubewertung der Lage am Anleihemarkt durch eine Institution, die seit Jahrzehnten auf fallende Renditen gesetzt hat.

Gundlach hebt Hunts Sinneswandel hervor

Auf die überraschende Positionsänderung aufmerksam gemacht hat Jeffrey Gundlach, der als „Bond-König" bekannte Rentenstratege. In einem Beitrag auf der Plattform X wies Gundlach darauf hin, dass die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen immer wieder in die Nähe ihres Zwei-Dekaden-Hochs stößt. „Es scheint unwahrscheinlich, dass dies Bestand hat. Sogar Lacy Hunt ist mittlerweile pessimistisch gestimmt, was man ihm anrechnen muss", schrieb Gundlach.

Die Aussage ist bemerkenswert, weil Gundlach selbst eine der prägenden Stimmen am globalen Rentenmarkt ist. Dass er ausdrücklich auf Hunts Wandel hinweist, unterstreicht, wie ungewöhnlich und bedeutsam dieser Schritt in der Fachwelt wahrgenommen wird.

Drei Kräfte belasten US-Staatsanleihen

Hoisington nennt drei strukturelle Faktoren, die den Ausblick für langlaufende Anleihen eintrüben:

Deglobalisierung

: Der Rückzug aus globalen Lieferketten erhöht die Produktionskosten und befeuert die Inflation strukturell.

Übermäßige Staatsverschuldung

: Steigende Schuldenlasten erhöhen das Angebot an Staatsanleihen und drücken auf deren Kurse.

Kapitalknappheit

: Ein geringeres Angebot an verfügbarem Kapital treibt die Renditen nach oben.

Diese drei Trends zusammen führen laut Hoisington zu einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen – und das Hauptopfer sind US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit.

Bedeutung für deutsche Anleger

Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Steigende US-Renditen wirken sich auf die globalen Kapitalmärkte aus und können auch europäische Anleiherenditen unter Aufwärtsdruck setzen. Zudem signalisiert der Sinneswandel eines so erfahrenen Marktteilnehmers wie Hunt, dass das jahrzehntelange Umfeld sinkender Zinsen und steigender Anleihekurse möglicherweise endgültig der Vergangenheit angehört.

Wer in festverzinsliche Wertpapiere investiert ist, sollte die strukturellen Veränderungen am Rentenmarkt genau beobachten. Die Kombination aus hartnäckiger Inflation, hoher Staatsverschuldung und geopolitischen Verwerfungen stellt das klassische Anleihe-Investment vor neue Herausforderungen – und selbst die überzeugendsten Bullen scheinen das nun anzuerkennen.

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