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Krypto-Milliardäre finanzieren Mikronation wo Geld Stimmen kauft

Liberland, eine Mikronation an der Donau, zeigt wie Tech-Milliardäre staatliche Strukturen durch Blockchain ersetzen wollen.

Krypto-Milliardäre finanzieren Mikronation wo Geld Stimmen kauft

In einem schlammigen Abschnitt der Donau-Auen, zwischen Serbien und Kroatien, liegt die Freie Republik Liberland. Was von außen wie ein Lager aus Zelten und Baumhäusern wirkt, ist in Wirklichkeit ein politisches Experiment, das von einigen der reichsten Männer der Krypto-Welt finanziert wird. Gegründet wurde die Mikronation von Vít Jedlička mit dem Ziel, ein libertäres, digitales Land auf Basis von Blockchain-Technologie zu schaffen.

Das Besondere an Liberland: Politische Mitsprache ist käuflich. Wer mehr sogenannte „Liberland Merits" besitzt – einen handelbaren Krypto-Token – hat mehr Einfluss darauf, wer das Land regiert. „Die Leute, die mehr Merits haben, können also mehr darüber mitbestimmen, wer in der Führung des Landes sitzen wird", erklärt Präsident Jedlička. Steuern gibt es in Liberland nicht.

Innenminister mit Vergangenheit

Liberlands Innenminister Ivan Pernar, ein ehemaliger kroatischer Abgeordneter, der wegen der Verbreitung von Verschwörungstheorien aus dem Parlament ausgeschlossen wurde, macht keinen Hehl aus der Philosophie des Landes. Auf die Frage, ob es in Liberland also Freiheit gebe, aber manche Menschen mehr Freiheit hätten als andere, antwortete er schlicht: „Natürlich." Wer Arme unterstütze, vergleicht er mit dem Füttern von Tieren – eine Aussage, die die radikale Ablehnung jeglicher Umverteilung in dieser Gemeinschaft verdeutlicht.

Für die wohlhabenden Unterstützer Liberlands gilt jede Form von Besteuerung oder staatlicher Umverteilung als Angriff auf die individuelle Freiheit. Diese Haltung teilen Menschen, die über weit mehr Geld und Einfluss verfügen als Pernar selbst.

Justin Sun: Der Bananen-Milliardär als Premierminister

Einer der prominentesten Unterstützer ist Justin Sun, Gründer der Blockchain-Plattform Tron und Premierminister von Liberland. Sein Vermögen wird auf 8,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bekannt wurde er einem breiteren Publikum, als er ein Kunstwerk – eine mit Klebeband an eine Wand geklebte Banane – für 6,2 Millionen US-Dollar kaufte und anschließend aß.

Sun wurde von US-Regulierungsbehörden des Betrugs und der Marktmanipulation beschuldigt. Er bestreitet die Vorwürfe und einigte sich kürzlich auf einen Vergleich in Höhe von 10 Millionen US-Dollar. Laut dem Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs ist Tron eine der größten Plattformen für den Transfer illegaler Kryptowerte – darunter Berichten zufolge Gelder im Zusammenhang mit der Hamas, der Hisbollah sowie Drogenkartellen und Mafia-Netzwerken. Sun erklärt, Tron habe neue Kooperationen mit Strafverfolgungsbehörden initiiert, was zu einem massiven Rückgang des illegalen Volumens geführt habe.

Sun investierte mehr als 75 Millionen US-Dollar in World Liberty Financial, das Krypto-Unternehmen der Trump-Familie, sowie weitere Millionen in Donald Trumps Memecoin. Als Gegenleistung erhielt er ein Abendessen mit dem US-Präsidenten. Präsident Trump trat offiziell aus dem Unternehmen aus, als er sein Amt antrat, doch sein Family Trust ist weiterhin Eigentümer und profitiert davon – unter anderem durch den Verkauf einer Kryptowährung namens USD1. Im vergangenen Jahr soll Trump mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar mit Krypto verdient haben.

Eine Welt ohne Grenzen als Ziel

Neben Sun sollen rund 30 weitere Tech-Milliardäre Liberland unterstützen. Mit deren Kapital könnten die Pläne für eine moderne Stadtarchitektur – entworfen vom renommierten Büro ZHA von Zaha Hadid – eines Tages Realität werden. Derzeit befindet sich die Technologie jedoch noch in einem frühen Stadium, und menschliche Beamte sind weiterhin notwendig, um Gesetze umzusetzen.

Sun selbst beschreibt seine Vision nach einem Weltraumflug mit Jeff Bezos' Unternehmen Blue Origin, für den er 29 Millionen US-Dollar bezahlte: Er sei beeindruckt von der Idee, dass „der Planet selbst grenzenlos ist", ohne Grenzen und ohne das Konzept eines Landes. Die Vorstellung, dass der Nationalstaat veraltet sei und durch Blockchain-Technologie ersetzt werden könnte, ist einer der Gründe, warum er sich entschied, als Premierminister von Liberland zu kandidieren.

Liberland mag auf den ersten Blick wie ein skurriles Experiment wirken. Doch die Verbindungen zu politischen Entscheidungsträgern, die enormen Finanzmittel im Hintergrund und die wachsende Einflussnahme von Krypto-Milliardären auf demokratische Systeme weltweit machen das Projekt zu mehr als einer Kuriosität – sie machen es zu einem Spiegel einer Bewegung, die staatliche Strukturen grundlegend verändern will.

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