Hedgefonds wetten massiv gegen Industriewerte wegen Lieferkettenproblemen
Hazeltree-Daten zeigen: Globale Hedgefonds setzten im Juni mehr Short-Positionen auf Industriewerte als auf jeden anderen Sektor.

Globale Hedgefonds haben im Juni massiv gegen Industriewerte gewettet. Das zeigen aktuelle Daten des Datenanbieters Hazeltree, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Hintergrund sind wachsende Sorgen über Lieferkettenstörungen infolge erneuter Spannungen in der Straße von Hormus.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Vor Beginn des Krieges am 28. Februar passierten täglich etwa 90 bis 110 Schiffe die Meerenge. Auf dem Höhepunkt der Störungen brachen die Schiffsströme laut Daten der LSEG um mehr als 90 Prozent ein.
Short-Wetten auf Industriewerte auf Rekordniveau
Hedgefonds gingen im Juni mehr Short-Positionen bei Industriewerten ein als in jedem anderen Sektor. Bei Short-Positionen setzen Spekulanten auf sinkende Aktienkurse. Die am häufigsten gewählten Titel für solche Wetten stammten im Juni aus dem Industriesektor – das waren drei mehr als noch im Mai.
Zu den am stärksten betroffenen Unternehmen zählen Firmen, die auf importierte Komponenten angewiesen sind. Dazu gehören laut Hazeltree-Daten Canadian Solar, der japanische Automobilhersteller Toyota sowie der deutsche Sportartikelhersteller Puma. Die Hazeltree-Daten basieren auf Zahlen von 600 Vermögensverwaltern, die insgesamt 16.000 globale Aktien beobachten.
Eskalation im Iran-Konflikt belastet Märkte
Eine erneute Eskalation der Angriffe durch die USA und den Iran hat Zweifel an einem möglichen Interimsabkommen zur Beendigung des Krieges aufkommen lassen. Hoffnungen auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Wasserstraße hatten zuvor die Rohstoffpreise gedrückt und die Aktien von Industrieunternehmen beflügelt. US-Präsident Donald Trump verhängte erneut eine Seeblockade aller iranischen Häfen und drohte, in der nächsten Woche Kraftwerke und Brücken anzugreifen, sofern Teheran die Verhandlungen nicht wieder aufnehme.
„Wenn der Iran-Krieg nicht bald beigelegt wird, besteht ein klares Risiko für globale wirtschaftliche Verwerfungen. Das sind schlechte Nachrichten für Industrieunternehmen, da sie konjunktursensibel sind", sagte Daniel Coatsworth, Leiter der Marktanalyse bei AJ Bell.
Steigende Frachtraten belasten Gewinnmargen
Der Krieg hat die Ölpreise in die Höhe getrieben und die Sorgen über Unterbrechungen des Tankerverkehrs neu entfacht. Selbst ohne eine vollständige Sperrung der Meerenge hat das erhöhte Risiko die Kosten für Versicherungen, Fracht und Rohstoffe steigen lassen.
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Zur AktienanalyseCoatsworth warnte zudem vor weiteren Belastungen: „Weitere potenzielle Risiken für die Gewinnmargen in der Industrie sind höhere Transportkosten, falls Störungen der Schifffahrtsrouten zu höheren Frachtraten führen, die sich dann auf die gesamte Schifffahrtsbranche ausweiten."
Andrew Simms, Senior Equity Analyst bei Berenberg, verwies auf konkrete Zahlen: „Auf der Route von Shanghai nach Los Angeles beispielsweise haben sich die Frachtraten in den letzten Monaten mehr als verdoppelt." Er betonte, dass selbst auf Routen, die nicht in die Nähe des Nahen Ostens führen, eine gewisse Belastung der Lieferketten zu beobachten sei.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung besonders relevant, da der Industriesektor einen bedeutenden Anteil am deutschen Aktienmarkt ausmacht. Unternehmen wie Puma, die auf globale Lieferketten angewiesen sind, stehen exemplarisch für die Verwundbarkeit des Sektors gegenüber geopolitischen Risiken. Die Unternehmen reagierten laut Reuters nicht sofort auf Anfragen zur Stellungnahme.


