Goldpreis-Korrektur: Experten sehen bullischen Ausblick weiter intakt
Trotz des jüngsten Rücksetzers beim Goldpreis bleiben die strukturellen Treiber des Bullenmarktes laut Experten ungebrochen stark.

Die Korrektur beim Goldpreis hat den Markt zwar kurzfristig erschüttert, doch führende Edelmetallexperten sehen darin kein Warnsignal. Auf dem Rick Rule Symposium betonten mehrere Panelteilnehmer, dass die aktuellen Rückgänge ein normales Merkmal eines gesunden Bullenmarktes seien – und keine Trendwende. Die fundamentalen Treiber wie Zentralbanknachfrage, steigende Staatsverschuldung und ein struktureller Wandel in der Wahrnehmung von Gold bleiben nach Einschätzung der Experten fest intakt.
Brien Lundin, Herausgeber des renommierten Gold Newsletter, ordnete die aktuelle Rallye historisch ein: Er bezeichnete sie als erst den vierten Gold-Bullenmarkt, seit das Edelmetall im Jahr 1971 seine Funktion als Währungsstandard verlor. Besonders auffällig sei, dass der aktuelle Zyklus anfangs fast ausschließlich von Zentralbankkäufen getrieben wurde – und nicht von westlichen Privatanlegern. „In den ersten etwa 18 Monaten saßen die Zentralbanken am Steuer", erklärte Lundin. In dieser Phase stiegen Bergbauaktien und Silber kaum, da Zentralbanken diese Vermögenswerte traditionell nicht erwerben.
Der Wendepunkt kam laut Lundin mit der Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell in Jackson Hole im vergangenen Jahr, in der er eine geldpolitische Lockerung signalisierte. Seitdem strömt auch spekulatives Kapital westlicher Anleger in den Markt – was die für Bullenmärkte typischen schärferen Rallyes und Korrekturen ausgelöst hat. Den jüngsten Rückgang bezeichnete Lundin als die erste bedeutende Korrektur des aktuellen Zyklus. „Diese Art von Korrekturen ist typisch", sagte er. „Wir werden furiose Rallyes erleben. Wir werden wirklich nervenaufreibende Korrekturen wie diese haben, um Ihre Überzeugungen auf die Probe zu stellen."
Ein langfristiger Wertspeicher im Fokus
Peter Grosskopf, Vorsitzender von SCP Resource Finance, mahnte Anleger, sich nicht zu sehr auf kurzfristige Preisbewegungen zu konzentrieren. Er zitierte Konferenzsprecher Grant Williams mit den Worten: „Die Währung sagt Ihnen nicht den Wert von Gold. Gold sagt Ihnen den Wert der Währung." Stattdessen sollten Anleger das Verhältnis von Gold zur expandierenden weltweiten Staatsverschuldung betrachten – ein Faktor, der langfristig deutlich höhere Preise stütze.
Joseph Cavatoni, Chefmarktstratege für Nordamerika beim World Gold Council, verwies auf einen breiteren strukturellen Wandel: Marktteilnehmer betrachten Gold zunehmend als strategischen Reservewert und nicht mehr nur als kurzfristiges Handelsinstrument. Während die Terminmärkte weiterhin stark auf kurzfristige Preisbewegungen fokussiert seien, gewinne der außerbörsliche Markt (OTC) sowie die wachsende Nachfrage aus Asien an Bedeutung. „Man muss in größeren Dimensionen denken. Man muss global denken", betonte Cavatoni.
Geopolitische Risiken als Nachfragetreiber
Zur starken Goldrallye zu Beginn des Jahres erklärte Cavatoni, dass der anfängliche Anstieg erhöhte geopolitische Unsicherheiten widerspiegelte – darunter Spekulationen über Zölle, die Geldpolitik der Federal Reserve sowie eskalierende Spannungen im Nahen Osten. Das Narrativ von Gold als sicherem Hafen habe spekulative Käufe angezogen, die sich letztlich als nicht nachhaltig erwiesen. „Im Vorfeld eines Krieges wird man einen steigenden Goldpreis sehen", erklärte Cavatoni. Sobald die Märkte begannen, die wirtschaftlichen Folgen einzupreisen – insbesondere den Inflationsdruck durch höhere Ölpreise –, korrigierte Gold entsprechend.
Trotz dieser Volatilität kehrten die Diskussionsteilnehmer immer wieder zu einem zentralen Thema zurück: Die Nachfrage der Zentralbanken bleibt die dominierende Kraft hinter dem langfristigen Goldausblick. Cavatoni verwies auf eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 77 Zentralbanken, bei der die meisten Befragten angaben, ihre Goldreserven weiter aufstocken zu wollen. Gold sei der einzige Reservewert, der Liquidität ohne Gegenpartei-Kreditrisiko biete und gleichzeitig Diversifizierung in einem unsicheren geopolitischen Umfeld ermögliche.
Lundin stimmte dem zu und nannte die Käufe des offiziellen Sektors als einen von zwei großen strukturellen Trends. Viele Zentralbanken suchten Schutz vor der sogenannten „Waffenfähigkeit" (weaponization) des US-Dollars und reagierten gleichzeitig auf die wachsende Staatsverschuldung. „Die Schulden-Defizite sind der Haupttreiber hinter allem", sagte Lundin. Grosskopf ergänzte: „Die eine Sache, die universell auf Regierungen zutrifft, ist, dass ihnen irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht, das sie ausgeben können."
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Zur AktienanalyseBergbauaktien als unterschätzte Chance
Während physisches Gold in den vergangenen zwei Jahren eine deutliche Outperformance erzielte, spiegeln Bergbauaktien die höheren Goldpreise noch nicht vollständig wider. Mehrere Diskussionsteilnehmer bezeichneten diese Diskrepanz als attraktive Investitionsgelegenheit. Lundin beschrieb den Bergbausektor als „höchst ineffizient", da viele Unternehmen kaum von Analysten beachtet werden – was sorgfältigen Anlegern ermögliche, unterbewertete Projekte zu entdecken, bevor der breite Markt deren Wert erkennt. Er bezeichnete das aktuelle Umfeld als „zielreiches Umfeld" für qualitativ hochwertige Explorations- und Erschließungsunternehmen.
Grosskopf beschrieb den jüngsten Rücksetzer als „gesund und sehr konstruktiv" und wies darauf hin, dass einige Qualitätsunternehmen im Entwicklungsstadium derzeit zu etwa der Hälfte der Bewertungen gehandelt werden, die sie noch vor wenigen Monaten aufwiesen. Erfolgreiche Investitionen erforderten jedoch sowohl erstklassige Vermögenswerte als auch erfahrene Managementteams – eine schlechte Umsetzung könne selbst die stärksten Projekte untergraben, warnte er. Grosskopf erklärte zudem, dass er Gold zunehmend als seine persönliche „Haushaltswährung" betrachte, anstatt Wohlstand in US- oder kanadischen Dollar zu messen – ein Ansatz, den künftig auch mehr Privathaushalte verfolgen könnten.


