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EZB-Umfrage: Unternehmen erwarten schwächeres Lohn- und Preiswachstum

Eine neue EZB-Umfrage zeigt: Eurozone-Unternehmen rechnen mit moderateren Verkaufspreisen und nachlassendem Lohnwachstum – ein wichtiges Signal gegen Zweitrundeneffekte.

EZB-Umfrage: Unternehmen erwarten schwächeres Lohn- und Preiswachstum

Die Europäische Zentralbank hat am Montag Ergebnisse ihrer Unternehmensumfrage zum Zugang zu Finanzmitteln (Survey on the Access to Finance of Enterprises, SAFE) veröffentlicht. Die Daten liefern weitere Belege dafür, dass der aktuelle Inflationsschub bislang keine gefährlichen Zweitrundeneffekte ausgelöst hat. Mehr als 5.000 Unternehmen aus der Eurozone nahmen an der Befragung teil.

Die Kernergebnisse sind für die EZB-Währungshüter beruhigend: Unternehmen erwarten sowohl bei den Verkaufspreisen als auch beim Lohnwachstum eine spürbare Abschwächung. Dies ist ein wichtiges Signal, da die Notenbank genau beobachtet, ob sich die erhöhte Inflation in einer Lohn-Preis-Spirale festsetzt.

Verkaufspreise und Vorleistungskosten unter Druck

Konkret erwarten die befragten Unternehmen, dass die Verkaufspreise im nächsten Jahr um 3,2% steigen werden – nach noch 3,5% in der vorherigen Umfrage vor drei Monaten. Auch die Vorleistungskosten ohne Arbeitskosten, zu denen unter anderem Energiekosten zählen, sollen mit 5,2% weniger stark steigen als zuvor erwartet. Die Lohnwachstumserwartungen schwächten sich von 2,8% im Vorquartal auf nunmehr 2,5% ab.

„Im Durchschnitt erwarteten die Unternehmen, dass die Verkaufspreise, die Vorleistungskosten ohne Arbeitskosten und die Lohnerwartungen in den nächsten 12 Monaten moderater steigen werden", teilte die EZB in ihrer Umfrage mit. Diese Formulierung unterstreicht, dass die Entspannung breit angelegt ist und nicht nur einzelne Bereiche betrifft.

Inflationserwartungen bleiben hartnäckig erhöht

Trotz der positiven Signale bei Löhnen und Preisen zeigen sich die längerfristigen Inflationserwartungen der Unternehmen wenig verändert. Die Erwartungen für einen Zeithorizont von einem und drei Jahren blieben stabil bei jeweils 3,0%. Die Fünf-Jahres-Erwartung stieg sogar leicht von 3,0% auf 3,1% an. Dies zeigt, dass die Unternehmen mittelfristig weiterhin mit einer Inflation oberhalb des EZB-Ziels von 2% rechnen.

Die Gesamtinflation in der Eurozone bewegt sich derzeit nahe der Marke von 3% – maßgeblich getrieben durch hohe Energiekosten. Genau diese Konstellation bereitet der EZB Sorgen: Ein anhaltend hohes Preisniveau könnte die Inflationserwartungen dauerhaft verankern und zu übermäßigen Lohnforderungen führen, was eine schwer zu durchbrechende Preisspirale in Gang setzen würde.

Zinsentscheidung am Donnerstag im Fokus

Die nun veröffentlichten Umfragedaten dürften bei der bevorstehenden EZB-Zinssitzung am Donnerstag eine zentrale Rolle spielen. Marktbeobachter erwarten, dass die Notenbank die Zinsen in dieser Woche unverändert lässt. Allerdings schüren die hohen Ölpreise Spekulationen auf eine weitere Anhebung des Einlagensatzes im September. Aktuell liegt der EZB-Einlagensatz bei 2,25%.

Für deutsche Anleger und Sparer ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung: Ein stabiler oder sinkender Zinspfad der EZB hätte direkte Auswirkungen auf Hypothekenzinsen, Anleiherenditen und die Attraktivität von Spareinlagen. Die nachlassenden Lohn- und Preiserwartungen der Unternehmen könnten der EZB den nötigen Spielraum geben, eine abwartende Haltung beizubehalten – sofern die Energiepreise keine neuen Impulse nach oben liefern.

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