Eurozone-Renditen steigen nach Ölpreissprung durch Nahost-Spannungen
Steigende Ölpreise und neue Feindseligkeiten im Nahen Osten treiben Anleiherenditen der Eurozone nach oben und erhöhen EZB-Zinserwartungen.

Die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone sind in dieser Woche deutlich gestiegen. Auslöser war ein massiver Anstieg der Ölpreise, der durch erneute Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurde. Infolgedessen rechnen Anleger nun damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in diesem Jahr mehr als eine weitere Zinserhöhung vornehmen wird.
Die Ölpreise sprangen innerhalb einer Woche um 13% nach oben und erreichten kurzzeitig Einmonatshochs von über 86 US-Dollar pro Barrel. Hintergrund sind Zusammenstöße zwischen den USA und dem Iran im Golf, die die Straße von Hormus faktisch blockierten. Dieser Anstieg machte die jüngsten Rückgänge der Rohölpreise teilweise wieder rückgängig.
Europäische Anleihen unter Druck
Anleihen der Eurozone gerieten besonders stark unter Druck, da die europäische Wirtschaft gegenüber importierten Energiekosten deutlich anfälliger ist als etwa die US-Wirtschaft. Die Renditen zweijähriger deutscher Bundeschatzanweisungen stiegen in dieser Woche um 10 Basispunkte auf 2,77% – ein Anstieg von 1 Basispunkt allein am Freitag. Für deutsche Privatanleger und Sparer ist dies ein wichtiges Signal, da steigende Renditen auf veränderte Zinserwartungen und höhere Finanzierungskosten hindeuten.
US-Staatsanleihen entwickelten sich in dieser Woche hingegen besser als der globale Anleihenmarkt. Grund dafür war eine Reihe schwächerer Inflationsdaten aus den USA. Die Renditen zweijähriger US-Treasuries fielen am Freitag um 6 Basispunkte auf 4,14% – der stärkste Rückgang seit einem Monat.
Märkte erhöhen EZB-Zinserwartungen deutlich
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Zur AktienanalyseDie veränderte Lage an den Energiemärkten hat die Zinserwartungen der Marktteilnehmer spürbar verschoben. Anleger rechnen nun damit, dass die EZB die Zinsen im September mindestens ein weiteres Mal anheben wird. Darüber hinaus messen die Märkte der Wahrscheinlichkeit einer zweiten Zinserhöhung vor Jahresende eine Chance von rund 72% bei. Noch vor einer Woche hatten die Märkte lediglich mit einer einzigen weiteren Zinserhöhung gerechnet.
Ökonomen zeigen sich jedoch skeptischer: Viele Volkswirte halten zwei weitere Zinserhöhungen über den bereits erfolgten Schritt im Juni hinaus für unwahrscheinlich. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass mehrere große Zentralbanken – darunter die US-amerikanische Federal Reserve und die Bank of England – die Zinsen in diesem Jahr überhaupt nicht mehr anheben werden. Die Divergenz zwischen Markterwartungen und Ökonomeneinschätzungen bleibt damit ein zentrales Thema für Anleger in den kommenden Wochen.


