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Europäische Gaspreise auf 15-Wochen-Hoch wegen Nahostkonflikt

Militärische Eskalation zwischen Washington und Teheran treibt TTF-Gaspreise auf höchste Stände seit fast vier Monaten.

Europäische Gaspreise auf 15-Wochen-Hoch wegen Nahostkonflikt

Die europäischen Erdgaspreise haben am Donnerstag ihren höchsten Stand seit fast vier Monaten erreicht. Der Frontmonatskontrakt an der niederländischen Title Transfer Facility (TTF), der europäischen Benchmark für Erdgas, notierte stabil bei 54,92 Euro pro Megawattstunde (MWh). Parallel dazu verharrte der britische Kontrakt unverändert bei 131,64 Pence pro Therm.

Beide Benchmarks markierten damit ihre höchsten Stände seit 15 Wochen. Die rasante Erholung macht eine wochenlange Phase des ruhigen, seitwärts gerichteten Handels innerhalb kürzester Zeit zunichte – und erwischt viele Marktteilnehmer nach einer längeren Ruhephase unvorbereitet.

Nahostkonflikt als Auslöser

Haupttreiber der Preisbewegung ist die militärische Eskalation im Nahen Osten. Der anhaltende Austausch militärischer Schläge zwischen Washington und Teheran sowie Warnungen des Irans vor einem „existenziellen Krieg" haben Energiehändler dazu gezwungen, potenzielle Störungen kritischer Schifffahrtswege einzupreisen. Im Fokus steht dabei vor allem die Straße von Hormus – ein entscheidendes Nadelöhr für katarische LNG-Lieferungen (Flüssigerdgas) nach Europa.

Geopolitische Risikoprämien, die in den vergangenen Wochen kaum eine Rolle gespielt hatten, rücken damit schlagartig wieder in den Vordergrund des Marktes. Für europäische Gasimporteure und Energieversorger bedeutet das eine deutlich gestiegene Unsicherheit bei der Beschaffungsplanung.

In den Wochen zuvor hatte sich der europäische Gasmarkt spürbar beruhigt. Eine Kombination aus mildem Frühsommerwetter und robusten Pipeline-Lieferungen aus Norwegen hatte den Kontinent vorübergehend vor Preisspitzen abgeschirmt. Dieses Polster ist jedoch innerhalb weniger Tage dahingeschmolzen.

Strukturelle Abhängigkeit von globalem LNG

Obwohl die europäischen Gasspeicher strukturell gut gefüllt bleiben, weisen Analysten auf eine grundlegende Schwachstelle hin: Die strukturelle Abhängigkeit des Kontinents von globalen Spot-LNG-Ladungen macht Europa extrem anfällig für Schocks in der Lieferkette. Spot-LNG bezeichnet dabei Flüssigerdgas, das kurzfristig auf dem freien Markt eingekauft wird – im Gegensatz zu langfristigen Lieferverträgen.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Nachfrage asiatischer Käufer aufgrund des sommerlichen Kühlbedarfs gerade festigt. Sollte es zu einer geopolitischen Störung im Nahen Osten oder bei wichtigen Versorgungsschiffen kommen, könnte dies sofort einen intensiven Bieterwettstreit zwischen europäischen und asiatischen Versorgern auslösen. Die Folge wäre eine feste, volatile Preisuntergrenze für die regionalen Gasmärkte – mit entsprechenden Auswirkungen auf Energiekosten für Verbraucher und Industrie in Deutschland und ganz Europa.

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