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EU und Brasilien stärken digitale Partnerschaft gegen US-Tech-Abhängigkeit

Die EU vertieft ihre digitalen Beziehungen zu Brasilien und will gleichzeitig die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieriesen reduzieren.

EU und Brasilien stärken digitale Partnerschaft gegen US-Tech-Abhängigkeit

Die Europäische Union und Brasilien wollen ihre Zusammenarbeit in digitalen Schlüsselbereichen deutlich ausbauen. Das kündigte Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Technologiesouveränität, Sicherheit und Demokratie, am Rande des Web Summit in Rio de Janeiro an. Die Partnerschaft soll Bereiche wie Daten, Konnektivität, Cybersicherheit und Jugendschutz umfassen.

Brasilien wird damit das fünfte Land, das mit der EU in digitalen Fragen kooperiert. Es schließt sich einem exklusiven Kreis an, dem bereits Kanada, Japan, Südkorea und Singapur angehören. Virkkunen traf sich am Donnerstag mit dem brasilianischen Vizepräsidenten Geraldo Alckmin und reiste anschließend nach Brasília, um das Abkommen am Freitag offiziell zu unterzeichnen.

Mercosur-Abkommen als Rückenwind

Die neue digitale Partnerschaft fügt sich in einen größeren geopolitischen Rahmen ein. Anfang dieses Jahres unterzeichneten die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur – bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – offiziell ein Freihandelsabkommen. Damit entstand eine der weltweit größten Freihandelszonen überhaupt.

Virkkunen betonte die gemeinsamen Werte beider Seiten: „Brasilien ist ein Land, das sehr ähnliche Werte wie die Europäische Union teilt." Sie verwies dabei auf das Bekenntnis Brasiliens zu offenen Märkten, sicheren Technologien und einer regelbasierten Ordnung. „Wir wollen bessere Möglichkeiten für Unternehmen auf beiden Seiten schaffen, insbesondere vor dem Hintergrund des Mercosur-Handelsabkommens mit Brasilien", so die Kommissionsvizepräsidentin.

Abhängigkeit von US-Cloud-Giganten im Fokus

Ein zentrales Motiv hinter der Partnerschaftsstrategie ist die wachsende Sorge Europas über seine technologische Abhängigkeit von amerikanischen Konzernen. Amazon, Google und Microsoft kontrollieren zusammen rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes – eine Konzentration, die Virkkunen als strategisches Risiko einstuft. Sie warnte vor einem sogenannten „Kill-Switch-Element für unsere Dienste", sollte Europa in Schlüsselbereichen wie Halbleiterfertigung und Cloud-Diensten weiterhin so stark von einzelnen Anbietern abhängen.

Die Europäische Kommission hat deshalb jüngst ein umfassendes Paket zur Technologiesouveränität vorgelegt. Es sieht Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Technologiebasis in der EU vor, darunter der Aufbau eigener europäischer Cloud-Dienste. Virkkunen machte deutlich, dass die EU dabei auf Partnerschaften setzt: „Wir wollen bessere Möglichkeiten für Unternehmen auf beiden Seiten schaffen." Kein Akteur könne allein wettbewerbsfähig bleiben, betonte sie.

Die Partnerschaft mit Brasilien steht damit exemplarisch für eine breitere europäische Strategie: Statt einseitiger Abhängigkeiten setzt Brüssel auf ein Netzwerk gleichgesinnter Partner, die gemeinsam menschenzentrierte Technologien entwickeln und globale digitale Standards mitprägen wollen. Für deutsche Unternehmen, die stark im Brasilien-Geschäft engagiert sind, könnte das neue Abkommen konkrete Chancen in den Bereichen Datenwirtschaft und digitale Infrastruktur eröffnen.

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