Deutschlands größte Bauunternehmen 2025: Hochtief führt das Ranking an
Hochtief steigert die Gesamtleistung um 15,1 Prozent auf 38,4 Milliarden Euro – während Insolvenzen in der Branche weiter steigen.

Wer die Spitze der deutschen Bauwirtschaft anführt, ist keine Überraschung: Der Essener Hochtief-Konzern verteidigt seinen Platz als Nummer eins – und baut seinen Vorsprung sogar deutlich aus. Die Gesamtleistung stieg 2025 von 33,3 auf 38,4 Milliarden Euro, ein Plus von 15,1 Prozent. Das Ranking wurde im Auftrag des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) vom Bonner Branchenbeobachter Marcel Linden erstellt und liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor.
Auf Platz zwei folgt die österreichische Strabag-Gruppe, die in Deutschland zusammen mit ihrer Stuttgarter Tochter Züblin auf einen Gesamtumsatz von 13,7 Milliarden Euro kommt. Züblin allein erzielte eine Jahresleistung von 4,775 Milliarden Euro. Damit stammen mehr als zwei Drittel der Strabag-Gesamtleistung von 20,4 Milliarden Euro aus dem deutschen Markt.
Platz drei belegt die Goldbeck-Gruppe aus Bielefeld – doch dieser Rang ist zunehmend unter Druck. Der Deutschlandableger der französischen Vinci-Gruppe steigerte seine Gesamtleistung 2025 um 16,8 Prozent auf 6,485 Milliarden Euro und liegt damit nur noch knapp hinter Goldbeck. Sollte Vinci im nächsten Ranking an Goldbeck vorbeiziehen, würden drei Töchter ausländischer Konzerne die Spitze der deutschen Bauwirtschaft dominieren.
Hochtief setzt auf Rechenzentren als Wachstumsmotor
Obwohl Hochtief global der klare Branchenführer ist, spielt das Unternehmen im rein deutschen Geschäft eine deutlich kleinere Rolle. Nur drei Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf inländische Aufträge – das entspricht 1,151 Milliarden Euro und Rang zwölf im Deutschland-Vergleich. Zum Vergleich: 2023 waren es noch 833 Millionen Euro und Rang 18, was immerhin eine deutliche Aufwärtsbewegung zeigt.
Hochtief ist seit 2011 Teil der spanischen ACS-Gruppe und wird von starken Töchtern in Australien und den USA dominiert, die zusammen 97 Prozent des Umsatzes liefern. Im Wachstumssegment Rechenzentren mischt der Konzern in Deutschland jedoch aktiv mit. Im nordrhein-westfälischen Heiligenhaus ging im September 2025 das erste Rechenzentrum des Typs Yexio in Betrieb – errichtet von Hochtief Solutions aus modularem Massivholz mit bis zu 90 Prozent Energieeffizienzgewinn. 14 weitere Standorte sind in Planung oder bereits im Bau.
Anfang Juli vermeldete Hochtief zudem einen Auftrag „im Wert von mehreren hundert Millionen Euro" für ein Rechenzentrum in Berlin mit 36 Megawatt Leistung. Auftraggeber ist der japanische Großbetreiber NTT Global Data Centers. Ein Team aus Hochtief Infrastructure und der irischen Turner-Tochter Dornan übernimmt den Bau. Baubeginn ist im Sommer 2025, die ersten Rechenhallen sollen 2028 fertiggestellt werden, das Gesamtprojekt 2029. Hochtief-Chef Juan Santamaría erwartet in Deutschland „eine starke, anhaltende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten".
Insolvenzen steigen – Mittelstand unter Druck
Das Ranking zeichnet das Bild einer Branche im Spannungsfeld: Während die großen Konzerne wachsen, kämpft der Mittelstand mit Konjunkturschwäche und den Nachwirkungen geopolitischer Krisen. Die Zahl der Insolvenzen im Bauhauptgewerbe stieg 2025 um 7,4 Prozent, in der gesamten Bauwirtschaft inklusive Handwerksbetrieben sogar um 10,1 Prozent. Die großen Akteure sind auf den deutschen Markt weniger angewiesen und nutzen ausländische Schwesterfirmen, um hierzulande Marktanteile zu gewinnen.
Beim Blick auf das reine Deutschland-Geschäft führt Vinci die Liste an, gefolgt von Strabag, Goldbeck und Zech. Das Bremer Familienunternehmen Zech Group erscheint im Gesamtranking kleiner als es tatsächlich ist: Der Gebäudedienstleister ROM, der über die Gustav-Zech-Stiftung eng mit der Gruppe verbunden ist, taucht in der Zech-Bilanz nicht auf. Rechnet man dessen rund 2.600 Beschäftigte und etwa eine Milliarde Euro Umsatz hinzu, käme Zech auf insgesamt 16.600 Mitarbeitende und rund 5,6 Milliarden Euro Gesamtleistung – und würde im Ranking einen Platz höher auf Rang fünf landen.
Mittelständler mit beeindruckenden Wachstumsraten
Im Mittelfeld des Rankings stechen drei Mittelständler aus der Provinz besonders hervor. Friedrich Vorwerk aus dem niedersächsischen Tostedt legte um 43,8 Prozent auf 734 Millionen Euro zu und belegt Platz 26. Bickhardt Bau aus dem nordhessischen Kirchheim wuchs um 46,1 Prozent auf 646 Millionen Euro (Platz 29). Den spektakulärsten Zuwachs verzeichnet jedoch die Terras Gruppe aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur: ein Plus von 191,6 Prozent auf 485 Millionen Euro Gesamtleistung, was Platz 38 bedeutet.
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Zur AktienanalyseDas erst 2014 gegründete Unternehmen wächst durch gezielte Zukäufe im Infrastrukturbau und wird von Private-Equity-Partnern finanziert. Anfang Juli wechselte der Haupteigentümer: Der Münchener Investor Auctus Capital Partners übergab das von den Brüdern Dirk und Ralph Sojka gegründete Unternehmen an H.I.G. Capital aus Miami. Terras will laut eigener Homepage „weiterhin starke mittelständische Unternehmen zusammenbringen, regionale Kompetenzcluster vorantreiben und die Wertschöpfung entlang der Infrastrukturmärkte gezielt erweitern".
Bauer verliert Top-Ten-Platz nach turbulenten Monaten
Aus den Top Ten abgestiegen ist Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen. Die Konzernleistung sank um rund ein Fünftel auf 1,7 Milliarden Euro. Hinter dem Rückgang steckt auch personelle Unruhe: Im Januar verließen die Finanzchefin und ein weiteres Vorstandsmitglied – zuständig für den Spezialtiefbau – das Unternehmen überraschend. Der Aufsichtsrat hatte beide erst fünf Monate zuvor berufen. Im Juni 2025 verließ zudem Vorstandschef Peter Hingott das Unternehmen ohne Ankündigung.
Vorausgegangen war ein Eigentümerwechsel im Jahr 2023: Die Gründerfamilie Bauer gab damals die Mehrheit der Unternehmensanteile an den Münchner Immobilienunternehmer und Milliardär Alfons Doblinger ab – einen Investor, der in der Branche als umstritten gilt. Die Entwicklungen bei Bauer verdeutlichen exemplarisch, wie tiefgreifend der Strukturwandel in der deutschen Bauwirtschaft derzeit verläuft.


