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Bernstein kürt Akzo Nobel zum Top-Favoriten vor Q2-Ergebnissen

Das Brokerhaus Bernstein bewertet den Chemiesektor vor der Berichtssaison und sieht bei Solvay das größte Gewinnrisiko.

Bernstein kürt Akzo Nobel zum Top-Favoriten vor Q2-Ergebnissen

Das Brokerhaus Bernstein erwartet für das zweite Quartal eine weitgehend solide Berichtssaison im Chemiesektor. Innerhalb des eigenen Abdeckungsbereichs rechnet das Haus nur mit begrenzten Anpassungen der Prognosen. Drei Unternehmen stehen dabei besonders im Fokus: Akzo Nobel, Air Liquide und Solvay.

Bernstein bezeichnet Akzo Nobel als seinen „taktischen Call mit der höchsten Überzeugung" vor den Q2-Ergebnissen. Das Brokerhaus argumentiert, dass die Konsensuserwartungen für eine Senkung der EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 zu pessimistisch seien. Während der Markt ein EBITDA von rund 1,42 Milliarden Euro erwartet, modelliert Bernstein selbst einen Wert von 1,48 Milliarden Euro – und hält eine Prognosesenkung bei den Q2-Ergebnissen für „höchst unwahrscheinlich".

Zur Begründung verweist Bernstein auf nur begrenzte Anzeichen für eine Volumenschwäche, die eine Senkung der Prognose rechtfertigen würde. Zudem soll die Rohstoffkosteninflation beherrschbar bleiben, wobei im Jahr 2026 lediglich Preisanpassungen im niedrigen einstelligen Bereich nötig seien. Eine stärkere Preisgestaltung und widerstandsfähige Volumina könnten sogar Aufwärtspotenzial für die Prognose des dritten Quartals bieten.

Air Liquide: Konstruktiv, aber vorsichtig

Bei Air Liquide bleibt Bernstein dem zugrunde liegenden Geschäft gegenüber konstruktiv eingestellt, äußert jedoch Bedenken hinsichtlich der Anlegererwartungen. Das Brokerhaus sieht den Konsens für die zweite Jahreshälfte als zu optimistisch an – insbesondere im Segment Large Industries. Dort erwartet Bernstein keine nennenswerte Beschleunigung der Vor-Ort-Volumennachfrage außerhalb Amerikas und auch keine signifikanten Projektanläufe über das Projekt Normand'Hy hinaus.

Trotz der Modellierung eines geringeren Wachstums als der Konsens bleibt Bernstein bei der Rentabilität für das Gesamtjahr weitgehend auf Kurs. Das Brokerhaus prognostiziert für das zweite Halbjahr 2026 eine Verbesserung der bereinigten operativen Ergebnismarge (OIR) um 130 Basispunkte. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) für 2026 wird mit 6,76 Euro modelliert – deutlich über dem Konsens von 6,43 Euro. Die Besorgnis gelte laut Bernstein eher dem Erwartungsmanagement als der operativen Geschäftsleistung.

Solvay mit dem schwächsten Risiko-Rendite-Profil

Das ungünstigste kurzfristige Bild zeichnet Bernstein für Solvay. Das Brokerhaus sieht dort das schwächste Risiko-Rendite-Profil unter den betrachteten Titeln. Zwar wird erwartet, dass Solvay ein Q2-EBITDA im Rahmen der Erwartungen liefern wird – doch selbst eine moderate Verfehlung könnte Anlegersorgen hinsichtlich der Fähigkeit des Unternehmens auslösen, das untere Ende seiner Prognosespanne für das Geschäftsjahr 2026 zu erreichen.

Bernstein modelliert für Solvay ein EBITDA von 774 Millionen Euro für 2026 – nahe am unteren Ende der unternehmenseigenen Prognosespanne von 770 bis 850 Millionen Euro. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Sadara-Peroxid-Anlage bis zum vierten Quartal wieder in Betrieb geht und es zu keiner weiteren Verschlechterung der Nachfrage oder der Sodapreise kommt. Das Brokerhaus warnt ausdrücklich: Jede weitere Schwäche bei Nachfrage oder Preisgestaltung würde die Einschätzung für die Aktie weiter verschlechtern.

Umgekehrt würde selbst ein leichtes Übertreffen der Erwartungen – etwa ein EBITDA von rund 185 Millionen Euro – die Prognose in einem Umfeld anfällig machen, das Bernstein als nachfrageschwach und inflationär beschreibt. Für Anleger im Chemiesektor liefert die Analyse damit eine klare Rangfolge: Akzo Nobel als taktischer Favorit, Air Liquide mit Vorsicht zu genießen und Solvay mit dem größten Abwärtsrisiko vor der Berichtssaison.

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