Bank of America sieht drei bullishe Treiber für den US-Dollar
Nahost-Spannungen, eine restriktivere Fed und KI-Ausgaben könnten den Greenback im zweiten Halbjahr stärken.

Die Bank of America (BofA) hat drei zentrale Themen identifiziert, die den US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2026 nach oben treiben könnten. Devisenstratege Alex Cohen nennt eskalierende Spannungen im Nahen Osten, eine restriktivere US-Notenbank (Fed) als vom Markt erwartet sowie anhaltend hohe Ausgaben von KI-Hyperscalern als die entscheidenden Faktoren. Zusammen tragen diese Entwicklungen laut BofA zu den „Aufwärtsrisiken" für den Dollar im zweiten Halbjahr bei.
Der Ölpreis hat sich seit seinen Tiefstständen nach dem Waffenstillstand um rund 20 Prozent erholt. Hintergrund sind erneut aufflammende Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel. Cohen wies auf eine beträchtliche Netto-Short-Position am Ölmarkt bei gleichzeitig niedrigen Lagerbeständen hin und argumentierte, dass dieser Hintergrund eine „höhere Hürde für Abwärtsbewegungen" beim Rohöl impliziere als für weitere Kursgewinne.
Obwohl die Korrelation des US-Dollars mit dem Ölpreis Ende Juni und Anfang Juli zeitweise abgerissen war, hat sie sich laut Cohen wieder gefestigt. Der Stratege erklärte, diese Beziehung „hat wieder angezogen und dient als Erinnerung, dass sich der USD in diesem Umfeld so entwickeln sollte wie der Ölmarkt".
Fed-Prognose weit außerhalb des Marktkonsenses
Besonders auffällig ist die Zinsprognose der BofA, die nach eigener Aussage „deutlich außerhalb des Konsenses" liegt. Die Bank erwartet drei weitere Zinserhöhungen der Fed in diesem Jahr – im September, Oktober und Dezember – was einer Straffung von insgesamt 75 Basispunkten entspräche. Der Markt preist derzeit lediglich 28 Basispunkte ein – ein erheblicher Unterschied, der bei Bestätigung der BofA-Prognose deutliche Bewegungen am Devisenmarkt auslösen könnte.
Als Beleg für ihre hawkishe Fed-Einschätzung verwies Cohen auf die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Warsh vor dem Kongress. Dieser habe betont, er sei „hier, um das 2%-Inflationsziel der Fed zu bekräftigen" – und das selbst nach einem schwachen Bericht zum Verbraucherpreisindex für Juni. Zudem hätten sich die Realzinsdifferenzen trotz der schwachen Inflationsdaten zugunsten des Dollars ausgeweitet, was Cohen als „einen weiteren Faktor ansieht, der das Abwärtsrisiko für den USD abschwächt".
KI-Ausgaben als struktureller Dollar-Treiber
Der dritte Faktor ist struktureller Natur: die massiven Investitionsausgaben amerikanischer KI-Hyperscaler. Cohen erklärte, dass die aufstrebende Technologie zu einem „Netto-Positivum für den USD" geworden sei. Schätzungen zufolge könnten die fünf größten US-Hyperscaler im Jahr 2027 rund 900 Milliarden US-Dollar ausgeben – verglichen mit insgesamt etwa 220 Milliarden US-Dollar bei den 25 größten Nicht-US-Unternehmen.
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Zur AktienanalyseDiese Kapitalströme in die USA stützen den Dollar strukturell. Die hauseigene Stimmungsumfrage der BofA vom Juni unterstreicht diese Einschätzung: 65 Prozent der Befragten erwarten in diesem Jahr einen positiven Nettoeffekt der KI auf den Dollar, während nur 12 Prozent dies als negativ bewerten. Cohen merkte zudem an, dass KI-bezogene Kosten – darunter Halbleiter, Speicher und Elektrizität – weiter steigen, selbst wenn der allgemeine Inflationsdruck nachlässt. Dies könnte die restriktive Haltung der Fed zusätzlich verstärken.
Trotz der Nähe des Dollars zu Mehrjahreshöchstständen sieht Cohen die aktuelle Positionierung an den Terminmärkten als möglicherweise zu pessimistisch an. Basierend auf BofA-eigenen Stimmungsumfragen und Optionspreisen könnte die Positionierung übertreiben, wie optimistisch Anleger tatsächlich sind – was weiteres Aufwärtspotenzial für den Greenback signalisiert.


