Andy Burnham als Premierminister: Was seine Finanzpläne bedeuten
Großbritanniens neuer Premier verspricht Entlastung bei Lebenshaltungskosten – konkrete Maßnahmen sollen bereits am Dienstag folgen.

Andy Burnham hat in seiner ersten Rede als britischer Premierminister versprochen, den Bürgern mehr „Atempause" bei den Lebenshaltungskosten zu verschaffen. Die konkreten Maßnahmen sollen bereits an seinem ersten vollen Arbeitstag im Amt bekanntgegeben werden. Damit rückt das Thema Kaufkraft und finanzielle Entlastung sofort in den Mittelpunkt seiner Regierungsagenda.
Burnham hatte das Thema bereits zuvor als zentral bezeichnet. Er schilderte, wie viele Menschen aufgrund des finanziellen Drucks freitags nicht mehr auf ein Bier ausgehen, keine Ausflüge mit den Kindern unternehmen und sich keinen Urlaub leisten könnten. Diese Alltagsbeispiele verdeutlichen, wie stark die Lebenshaltungskosten die britische Gesellschaft in den vergangenen Jahren belastet haben.
Sollte Burnham tatsächlich Maßnahmen bei Energierechnungen, Transportkosten, Freibeträgen, Pflege und Wohnraum umsetzen, steht er vor einer zentralen Herausforderung: der Finanzierung. Sein Schatzkanzler wird darlegen müssen, wie diese Schritte bezahlt werden sollen – und welche Kompromisse dabei eingegangen werden.
Déjà-vu: Versprechen, die man schon kennt
Bemerkenswert ist, dass ähnliche Versprechen bereits von Burnhams Vorgängern gemacht wurden. Sir Keir Starmer hatte erklärt, jede Minute ohne Gespräch über die Lebenshaltungskosten sei eine „verlorene Minute". Schatzkanzlerin Rachel Reeves nannte das Thema noch im Januar 2025 die „Priorität Nummer eins". Im April senkten sie die typische jährliche Energierechnung für Haushalte um 150 Britische Pfund, indem sie einige Abgaben strichen und andere ins Steuersystem überführten.
Doch die Entlastung hielt nicht lange an. Die Energierechnungen stiegen bald wieder, ebenso wie die Kosten für Lebensmittel und Hypotheken – unter anderem als Folge der US-israelischen Angriffe auf den Iran. Dieses Beispiel zeigt, wie schnell externe Ereignisse gut geplante Maßnahmen zunichtemachen können. „Eine volatilere Welt ist eine teurere Welt", sagt Adam French vom Finanzinformationsdienst Moneyfacts.
Steuern: Entlastung oder neue Belastungen?
Burnham hat angedeutet, den sogenannten Grundfreibetrag (Personal Allowance) anzuheben, damit Bürger mehr verdienen können, bevor sie Einkommensteuer zahlen müssen. Derzeit sind die Schwellenwerte für Einkommensteuer und Sozialversicherung (National Insurance) in England, Wales und Nordirland bis April 2031 eingefroren. Das bedeutet: Mit steigendem Einkommen wird automatisch ein größerer Anteil davon besteuert – ein Effekt, den Ökonomen als „kalte Progression" bezeichnen und der auch deutschen Steuerzahlern bekannt ist.
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Zur AktienanalyseEine Lockerung dieser Politik würde dem Staat erhebliche Einnahmen entziehen. Burnham hat gleichzeitig angedeutet, von einigen Bürgern „ein klein wenig mehr" an Steuern zu verlangen. Er will am Labour-Wahlprogramm festhalten und die drei wichtigsten Steuern – Einkommensteuer, Sozialversicherung und Mehrwertsteuer – nicht erhöhen.
Dennoch gibt es Spielraum bei anderen Steuerarten. Zu den diskutierten Optionen gehören:
- Ersetzung der Stempelsteuer (Stamp Duty) und der Gemeindesteuer (Council Tax) durch eine alternative Grundsteuer
- Höhere Sätze bei der Kapitalertragsteuer (Capital Gains Tax) auf Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien (außer dem Hauptwohnsitz) und bestimmten Aktien, angepasst an die Einkommensteuersätze
Solche Reformen würden Zeit in Anspruch nehmen und sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorbringen. Bereits unter Reeves und Starmer zeigten Änderungen etwa bei der Erbschaftsteuer für Familienbetriebe, wie heftig die öffentliche Reaktion auf Steuerreformen ausfallen kann. Burnham steht damit vor denselben strukturellen Herausforderungen wie seine Vorgänger – mit dem Unterschied, dass er nun selbst an der Macht ist und liefern muss.


