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Aktienmarkt: Ruhige Oberfläche, aber hektisches Treiben darunter

Der VIX signalisiert Ruhe, doch die Einzelaktien-Volatilität erreicht einen historischen Rekordabstand – ein ungewöhnliches Marktphänomen.

Aktienmarkt: Ruhige Oberfläche, aber hektisches Treiben darunter

Der US-Aktienmarkt präsentiert sich derzeit mit einer trügerischen Ruhe. Die Aktien-Futures tendieren vor der US-Markteröffnung überwiegend fester, Chiphersteller setzen ihre Erholung fort, und das bekannteste Angstbarometer der Wall Street zeigt sich entspannt. Doch unter dieser ruhigen Oberfläche brodelt es gewaltig.

Das Bild einer Ente auf dem Wasser trifft es treffend: Oben gleitet der Markt scheinbar mühelos dahin, während die Anleger unter der Oberfläche hektisch paddeln, um durch die sich ändernden Finanzströmungen zu navigieren. Zwei Faktoren belasten das Marktgeschehen besonders: neu aufgeflammte Zolldrohungen der USA gegenüber Kanada sowie der anhaltende bewaffnete Konflikt, dem Investoren derzeit mehr Aufmerksamkeit schenken als den Handelsspannungen.

Der VIX täuscht über die wahre Lage hinweg

Der Cboe Volatility Index – kurz VIX – gilt als das meistbeachtete Stimmungsbarometer der Finanzmärkte. Er nutzt Optionspreise, um zu messen, wie viel Unruhe Anleger im S&P 500 in den kommenden 30 Tagen erwarten. Mit einem aktuellen Stand von 17,5 liegt er deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt – ein Wert, der auf relative Gelassenheit hindeutet.

Doch dieser Wert erzählt nur die halbe Geschichte. Wer tiefer schaut und betrachtet, wie viel Händler bezahlen, um sich gegen starke Kursbewegungen bei einzelnen Aktien abzusichern, stößt auf ein völlig anderes Bild. Die verwandte Kennzahl VIXEQ, die aus einer ähnlichen Berechnung für jede einzelne Aktie im S&P 500 abgeleitet und nach Marktwert gewichtet wird, liegt derzeit bei über 50.

Rekordabstand zwischen Index- und Einzelaktien-Volatilität

Zwar ist die Volatilität einzelner Aktien grundsätzlich immer höher als die des Gesamtindex – das ist strukturell bedingt, da sich Einzelrisiken im Indexdurchschnitt teilweise aufheben. Doch der aktuelle Abstand zwischen VIX und VIXEQ hat gerade einen Rekordwert erreicht. Das ist ein ungewöhnliches Signal, das Marktbeobachter aufhorchen lässt.

Was steckt dahinter? Anleger scheinen zwar kollektiv auf einen stabilen Gesamtmarkt zu setzen, sichern sich aber gleichzeitig intensiv gegen heftige Ausschläge bei einzelnen Titeln ab. Dies spiegelt die Unsicherheit wider, die durch mehrere gleichzeitige Belastungsfaktoren entsteht: Trumps Ankündigung von 50-prozentigen Zöllen auf bestimmte kanadische Waren, geopolitische Spannungen sowie Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch mit dem Iran, der zuletzt den jüngsten Anstieg der Ölpreise gestoppt hat.

Für deutsche Anleger, die in US-amerikanische Aktien oder ETFs auf den S&P 500 investiert sind, ist diese Divergenz ein wichtiges Warnsignal. Ein niedriger VIX kann dazu verleiten, die tatsächlichen Risiken im Markt zu unterschätzen. Die Rekordlücke zwischen Index- und Einzelaktien-Volatilität zeigt, dass die Nervosität der Marktteilnehmer keineswegs verschwunden ist – sie hat sich lediglich verlagert.

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