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Airline-Chefs warnen Boeing und Airbus vor übereilter Flugzeugentwicklung

Führungskräfte großer Fluggesellschaften fordern auf der Farnborough Airshow mehr Reife bei neuen Flugzeuggenerationen.

Airline-Chefs warnen Boeing und Airbus vor übereilter Flugzeugentwicklung

Auf dem Airline Leaders Summit der Farnborough Airshow haben hochrangige Manager von Fluggesellschaften die Flugzeugbauer Boeing und Airbus eindringlich gewarnt: Eine überhastete Einführung der nächsten Flugzeuggeneration könnte mehr schaden als nützen. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach technologischer Reife, bevor neue Modelle auf den Markt kommen.

„Ich bin nicht daran interessiert, bis zum Jahr 2030 ein neues Narrowbody-Flugzeug zu sehen", erklärte Paul Kent, Chief Commercial Officer bei BOC Aviation, am Montag auf der Veranstaltung. Seine Aussage trifft den Kern einer wachsenden Skepsis in der Branche gegenüber vorschnellen Produkteinführungen.

Kent begründete seine Haltung mit wirtschaftlichen Argumenten: „Wenn man Flugzeuge auf den Markt bringt, die zu Beginn nicht ausgereift sind, und diese Reife erst während der Einführung des Programms entwickelt, bedeutet dies, dass das Programm über einen beträchtlichen Zeitraum laufen muss, um eine wirtschaftliche Rentabilität zu erreichen." Für Airlines, die ohnehin mit langen Lieferrückständen kämpfen, wäre das ein erhebliches Risiko.

Lieferkettenprobleme verschärfen die Lage

Der Hintergrund dieser Warnungen ist die angespannte Situation in der gesamten Luftfahrtbranche. Fluggesellschaften kämpfen derzeit mit massiven Auftragsrückständen und einer instabilen Lieferkette. Die Integration von Flugzeugen der nächsten Generation, die noch nicht ausgereift sind oder über keine etablierten Wartungswege verfügen, könnte diese Probleme weiter verschärfen.

Boeing-Chefin Stephanie Pope, CEO von Boeing Commercial Airplanes, hatte sich am Sonntag auf der Airshow zu dem Thema geäußert. Sie betonte, dass der Konzern zwar an neuen Technologien arbeite, sich jedoch vorrangig auf die Zertifizierung bestehender Flugzeuge und den Hochlauf der Produktion konzentriere. Boeing steht nach mehreren Krisen der vergangenen Jahre unter besonderem Druck, Verlässlichkeit zu beweisen.

Kents Einschätzung deckt sich mit der Haltung von Ryanair-Chef Michael O'Leary, der bereits während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals des Billigfliegers vor einer zu starken Fokussierung auf neue Technologien gewarnt hatte. O'Leary formulierte es gewohnt direkt: „Bis jemand das Reisen wie bei Star Trek erfindet und man anfängt, Menschen um die Welt zu beamen... anstatt sie zu fliegen, werden wir es in den nächsten 10 oder 15 Jahren wohl mit der 737 Max und dem Airbus Neo zu tun haben."

British Airways zeigt sich offener für Neuentwicklungen

Nicht alle Airline-Chefs teilen die zurückhaltende Haltung. Sean Doyle, Vorstandsvorsitzender von British Airways, signalisierte deutlich mehr Interesse an künftigen Entwicklungen. „Wir wären sehr an dem interessiert, woran sie gerade arbeiten", sagte Doyle mit Blick auf Airbus. British Airways gehört zu den größten europäischen Fluggesellschaften und ist traditionell ein wichtiger Abnehmer beider Flugzeugbauer.

Auch Kent selbst schloss neue Modelle nicht grundsätzlich aus. Er ergänzte, dass man neuere Flugzeuge durchaus in Betracht ziehen würde – allerdings nur dann, wenn ein „bedeutender technologischer Wandel" geboten werde. Die Messlatte liegt damit hoch: Inkrementelle Verbesserungen reichen der Branche offenbar nicht aus, um die Risiken einer frühen Einführung zu rechtfertigen.

Die Debatte auf der Farnborough Airshow zeigt, wie gespalten die Luftfahrtbranche in der Frage der Produktentwicklung ist. Während einige Airlines auf Bewährtes setzen und Stabilität fordern, sind andere bereit, auf technologische Sprünge zu warten. Für Boeing und Airbus bedeutet dies: Der Druck, schnell neue Modelle zu präsentieren, trifft auf eine Kundschaft, die Qualität und Verlässlichkeit über Schnelligkeit stellt.

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